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Ermittlungen gegen Hamburger KZ-Aufseherin:Anzeige vom Sohn eines NS-Verbrechers

Tagelang mussten die Häftlinge durch die beißende Kälte laufen. Von etwa 2000 weiblichen Häftlingen - es handelte sich wohl um Jüdinnen aus der Sowjetunion - sollen nur etwa 600 überlebt haben. Die meisten Frauen erfroren, starben vor Erschöpfung oder wurden von der SS ermordet.

Die Greisin hat sich in dem Film selbst belastet für ein Verbrechen, für das sie 1945 nicht bestraft worden ist. Deshalb ermittelt die Hamburger Staatsanwaltschaft, was Hilde M. völlig überrascht hat: "Wir wussten nichts davon", sagt ihre Tochter zur SZ.

Bis in der Causa greifbare Ergebnisse vorliegen, dürfte noch einiges Wasser die Elbe herunterfließen. "Monate dürfte das sicherlich dauern", sagt Oberstaatsanwalt Carsten Rinio. Die Anzeige gegen M. hat der Lüneburger Hans-Jürgen Brennecke erstattet. Sein Vater war ein NS-Verbrecher (hier mehr dazu).

Angeklagt wegen Beihilfe zum Mord in 300 000 Fällen

In Lüneburg läuft derzeit auch ein Verfahren gegen ein anderes früheres Mitglied der SS. 70 Jahre nach Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz steht ein früherer Freiwilliger der Waffen-SS vor dem Landgericht. Das Verfahren wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 300 000 Fällen wird am 21. April beginnen. Bis Ende Juli sind 26 weitere Verhandlungstage angesetzt.

Dem 93-Jährigen wirft die Staatsanwaltschaft Hannover vor, 1944 im KZ Auschwitz zurückgelassenes Gepäck angekommener Häftlinge weggeschafft zu haben. Ihm sei bewusst gewesen, dass die als nicht arbeitsfähig eingestuften, überwiegend jüdischen Häftlinge nach der Ankunft in den Gaskammern ermordet wurden. Durch seine Arbeit soll er das systematische Morden unterstützt haben.

Der Angeklagte soll zwischen Mai und Juli 1944 während der "Ungarn-Aktion" in Auschwitz an der Bahnrampe im Lagerabschnitt Birkenau beschäftigt gewesen sein. Zwischen dem 16. Mai und dem 11. Juli 1944 trafen dort 137 Eisenbahntransporte mit mehr als 420 000 deportierten Menschen aus Ungarn ein. Allein in Auschwitz-Birkenau wurden mindestens eine Million meist jüdischer Häftlinge ermordet.

Dem Verfahren gegen den hochbetagten Mann haben sich nach Angaben des Gerichts mittlerweile 55 Nebenkläger angeschlossen. Überlebende des Holocaust hatten bereits angekündigt, den Horror des Vernichtungslagers in dem Verfahren schildern zu wollen. Kritiker bemängelten, dass solch ein Prozess Jahrzehnte zu spät kommt.

Mit Material von dpa.

© SZ.de/sks

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