Ermittlungen gegen Gerry Adams Polizeiverhör von Sinn-Féin-Chef spaltet Nordirland

Friedensstifter, Führer, Visionär? Sinn-Féin-Chef Gerry Adams wird wegen eines Mordes verhört.

(Foto: dpa)

Hunderte demonstrieren in Belfast, Sinn Féin spricht von einem politisch motivierten Vorgehen: Vier Tage lang verhörte die nordirische Polizei den Politiker Gerry Adams, nun ist der Politiker wieder auf freiem Fuß. Der Fall, um den es geht, ist einer der berüchtigsten in der Geschichte des Nordirland-Konflikts.

Die Polizei verhörte ihn bis zu 17 Stunden am Tag, die Frist für seine Vernehmung wurde mehrmals verlängert: Ermittler haben den Politiker Gerry Adams zu einem Mord auf dem Höhepunkt der Nordirland-Krise vor mehr als 40 Jahren befragt. Nun ist der 65-Jährige nach vier Tagen aus der Haft entlassen worden, teilte die Polizei am Sonntagabend mit. Die Ermittlungsakten würden an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Weitere Details wurden zunächst nicht bekannt.

Der Politiker war am Mittwoch freiwillig auf der Polizeistation in der nordirischen Stadt Antrim erschienen. In Belfast demonstrierten am Samstag Hunderte Menschen gegen seine Festnahme. Teilnehmer trugen Plakate, die Adams mit dem verstorbenen früheren südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela zeigten. Auf einem neuen Wandgemälde wurde Adams als "Friedensbringer und Visionär" gelobt.

Partei-und Regierungsvize Martin McGuinness warf der Polizei auf der Veranstaltung vor, ihr Vorgehen sei "politisch" motiviert. Das wies der nordirische Regierungschef Peter Robinson von der Democratic Unionist Party (DUP) zurück. Er warf Sinn Féin wiederum "Einschüchterungstaktik" gegen die Polizei vor. Diese tue aber nicht mehr als ihre Pflicht, den gegen Adams erhobenen Vorwürfen nachzugehen.

Entführung einer Witwe vor den Augen ihrer Kinder

Der Politiker wird verdächtigt, an der Entführung und der Ermordung einer zehnfachen Mutter 1972 beteiligt gewesen zu sein. Adams bestreitet das. Die Tat geht auf das Konto der früheren Untergrundorganisation IRA, zu deren Führungszirkel Adams damals gehörte. Die Partei Sinn Féin galt als politische Vertretung der IRA. Der Mord gehört zu den berüchtigtsten in der Geschichte des Nordirland-Konflikts. Die damals 37 Jahre alte Witwe war vor den Augen ihrer Kinder entführt worden.

Die IRA hielt sie für eine Informantin der britischen Armee. Sie wurde erschossen und an einem geheimen Ort vergraben. Erst im Jahr 2003 wurden ihre sterblichen Überreste an der irischen Küste gefunden. Die Vernehmung von Adams beruht auf neuen Erkenntnissen, die auf Interviews einer Universität in Boston mit ehemaligen IRA-Aktivisten zurückgehen. Die Dokumente sollten ursprünglich erst nach dem Tod der Befragten veröffentlicht werden. Aber ein US-Gericht zwang die Hochschule im vergangenen Jahr, Aussagen zu dem Fall herauszugeben. Sie wurden den britischen Behörden zur Verfügung gestellt.