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Erklärung im Internet:Kritik und Häme im linken Lager

Den Vorwurf des Terrors weisen die Verfasser des Bekennerschreibens zurück: "Unsere Aktion zielt nicht darauf, Menschen zu gefährden. Das haben wir bestmöglich ausgeschlossen", schreiben sie. Tatsächlich ist nach Angaben der Bahn bei den Anschlägen niemand zu Schaden gekommen. Allerdings halten Linksautonome laut Verfassungsschutz die Anwendung von Gewalt - auch gegen Personen - für legitim, um ihre Ziele durchzusetzen. Dies sei ein Instrument, um die "Wut auf die Verhältnisse zum Ausdruck zu bringen", heißt es im aktuellen Verfassungsschutzbericht.

Warum friedlicher Protest aus Sicht der Hekla-Gruppe bei den bestehenden politischen Verhältnissen nicht mehr angemessen ist, begründen sie in dem Bekennerschreiben folgendermaßen: "Wo es keine Alternative gibt, gibt es nichts mehr zu diskutieren oder einzufordern. Wenn der Krieg ein Dauerzustand ist, ein permanentes Mittel, um die Sicherheit aufrechtzuerhalten, macht es keinen Sinn mehr, den Abzug aus einem Land xy zu fordern."

Im April 2010 sorgte eine militante Broschüre für Aufregung, die noch immer in der linksextremen Szene kursiert: Auf knapp 80 Seiten geben anonyme Autoren in einer Szenezeitschrift namens Prisma Tipps, wie Brandsätze gebastelt, Autos angezündet und Straßen blockiert werden können. Auch finden sich darin Anleitungen, wie Bahnstrecken sabotiert werden können. Prisma steht für "prima radikales info sammelsurium militanter aktionen". Die Broschüre soll vor allem in Berlin, Hamburg und Niedersachsen Verbreitung gefunden haben.

Ob die aktuellen Brandsätze auf Basis dieser Anleitung erstellt worden sind, wollte der LKA-Sprecher sueddeutsche.de mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht bestätigen. Man sei noch dabei, die sichergestellten Brandsätze zu untersuchen. Aufgrund des Schreibens im Internet schließe man eine politische Tatmotivation nicht aus, sagte der LKA-Sprecher weiter. Auch ein Zusammenhang mit dem Anschlag am Bahnhof Ostkreuz im Mai sei möglich. "In dem Bekennerschreiben selbst wird ein solcher Zusammenhang hergestellt."

Bei dem Brandanschlag auf die Deutsche Bahn handelt es sich bereits um die dritte Attacke innerhalb kurzer Zeit, die sich in der Vorgehensweise sehr ähneln: Im November 2010 zündeten Castorgegner kurz vor einem Atommülltransport ins Wendland mehrere Kabelschächte an. Allerdings waren die Motive im Bekennerschreiben andere: Sie richteten sich gegen die Deutsche Bahn als "Profiteur der Atommafia".

Den zweiten Brandanschlag im Mai 2011 nennt die Hekla-Gruppe in ihrem Schreiben als Vorbild: Zu dem Anschlag auf eine Kabelleitung am S-Bahnhof Ostkreuz in Berlin hatte sich die Gruppe "Das Grollen des Eyjafjallajökull" bekannt - ebenfalls benannt nach einem isländischen Vulkan. Wegen des Feuers war der Bahnverkehr in weiten Teilen Berlins und Brandenburg zusammengebrochen. Auch Telefonnetze und Internetverbindungen waren unterbrochen worden, weil der Brand neben den Stromleitungen auch Glasfaserkabel zerstört hatte.

Trotz der Häufung wollen Beobachter noch nicht von einer taktischen Vorgehensweise sprechen. Die Motivlage sei noch sehr vage und bei den einzelnen Anschlägen sehr unterschiedlich. Während es im November 2010 um den Anti-Atom-Protest ging, findet sich in dem Bekennerschreiben der Eyjafjallajökull-Gruppe eine Mischung aus mehreren politischen Motiven, deren gemeinsamer Nenner das Anarchistische sein dürfte. Ähnlich wie die Hekla-Gruppe beziehen sich die mutmaßlichen Attentäter aber auch hier auf die Ohnmacht des einzelnen Bürgers gegenüber der Politik.

In dem aktuellen Bekennerschreiben jedenfalls feiert die Hekla-Gruppe den Anschlag auf das Berliner S-Bahnhof Ostkreuz als "gelungene Aktion gegen die Funktionalität der Metropole". Zugleich kündigen die Verfasser weitere Aktionen an: "München, Frankfurt, Berlin, Hamburg, Stuttgart 21, Paris, Brüssel, Wien, Mailand, London, Zürich, Madrid ... lahmlegen", schreiben sie, wobei offenbleibt, ob sie mit Stuttgart 21 nun das umstrittene Bahnhofsprojekt oder die schwäbische Landeshauptstadt meinen. Ziel der Attacken jedenfalls sei es, die "Funktionsfähigkeit der Metropolen (...) bis zum Stillstand zu sabotieren" - bis kein Kriegsgeschäft mehr getätigt werde.

Scharfe Kritik müssen sich die anonymen Autoren allerdings auch aus dem linken Lager gefallen lassen. Den Kommentatoren unter dem Bekennerschreiben nach zu urteilen scheinen die Verfasser nicht unbedingt den Nerv ihrer Gesinnungsgenossen getroffen haben. So schreibt einer, dass diese "schwachsinnige Form des Protests" dem gesamten linken Lager schaden würde, "insbesondere dem vernunftbegabtem Teil". Ein anderer schreibt: "Vielen Dank für nichts, ihr Deppen!".

Der Eyjafjallajökull-Gruppe war es im Mai nicht besser ergangen. Ein User bezeichnete die Aktivisten als "hinterletzte Schwachköpfe": "Sie präsentieren nichts, weder das Volk, noch die Opposition, noch irgendwelche Minderheiten oder politisch Verfolgten. Ihre Tat beruht ausschließlich auf ihrer eigenen Egomanie." Ein anderer schrieb: "Sorry, aber was ihr da gemacht habt, hat für mich keinen tieferen Sinn. Werdet erwachsen und übernehmt Verantwortung."

Mit Material von Reuters und dapd

© sueddeutsche.de/Reuters/dapd/mcs

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