Fahndungserfolg in Ungarn Gesuchter Nazi-Kriegsverbrecher aufgespürt

Ladislaus Czizsik-Csatáry soll für die Deportation von knapp 16.000 Juden verantwortlich sein und steht auf der Fahndungsliste des Simon-Wiesenthal-Zentrums an Nummer eins. Nun vermeldet das Institut, der 97-Jährige sei gefunden worden. Von britischen Reportern.

Von Cathrin Kahlweit

In den ungarischen Medien, die am Sonntag über die Sensation berichten, wird Ladislaus Czizsik-Csatáry (auch als László Csatáry bekannt) vornehmlich als "Sadist" beschrieben. Der 97-Jährige, den das Simon-Wiesenthal-Zentrum in Jerusalem ganz oben auf der Liste der meistgesuchten Nazi-Verbrecher geführt hatte, war von Reportern der britischen Boulevard-Zeitung The Sun in Budapest in einem winzigen Apartment aufgespürt worden.

Als ihn die Journalisten damit konfrontierten, er sei jener Mann, der einst im ungarisch besetzten Kassa (dem heutigen slowakischen Košice, deutsch: Kaschau) etwa 16.000 Juden in den Tod geschickt habe und der für seine besondere Grausamkeit bekannt gewesen sei, habe Czizsik-Csatáry auf Englisch gerufen, er wolle das nicht diskutieren - und den Reportern die Tür vor der Nase zugeschlagen.

In Jerusalem, in London - und auch in Budapest - ist man sich jedoch sicher: Der Greis ist jener Polizeioffizier, den das Simon-Wiesenthal-Zentrum im Rahmen seiner Aktion "Letzte Chance" gesucht hatte; mit dieser Aktion sollen Nazi-Schergen noch aufgespürt werden, bevor sie sterben. Die ungarische Internetseite politics.hu berichtet unter Bezugnahme auf Dokumente des Wiesenthal-Zentrums, Csatáry sei dafür bekannt gewesen, dass er Frauen mit einer Peitsche, die er am Gürtel zu tragen pflegte, grausam misshandelte.

Von den Nachbarn "Papa Csatáry" genannt

Der Ungar, der im Jahr 1948 in der Tschechoslowakei in Abwesenheit für seine Kriegsverbrechen zum Tode verurteilt worden war, hatte sich nach dem Zweiten Weltkrieg nach Kanada abgesetzt, wo er als Kunsthändler arbeitete. Er bekam 1955 die kanadische Staatsbürgerschaft, die ihm jedoch 1997 wieder aberkannt wurde, als seine Vergangenheit bekannt wurde. Bevor Csizsik-Csatáry in Toronto verhaftet werden konnte, setzte er sich nach Europa in seine alte Heimat ab, wo er die vergangenen Jahre lebte.

Die Sun selbst, die am Sonntag das Foto des alten Mannes mit Schirmmütze und kariertem Jackett präsentierte, berichtet, man habe den "meistgesuchten Nazi der Welt" aufgespürt, der Tausende Menschen nach Auschwitz in den Tod geschickt habe. Seine Nachbarn in Budapest hätten ihn "Papa Csatáry" genannt. Der Gesuchte habe die Tür in Socken und Unterwäsche geöffnet. Er habe dereinst nur zugegeben, in die "Ghettoisierung von Juden" involviert gewesen zu sein. Vorwürfe, er habe die Deportationslisten in Kassa geführt, die Suche nach Juden überwacht und persönlich drastische Strafmaßnahmen angeordnet, bestritt er zeitlebens.

Efraim Zuroff vom Wiesenthal-Center forderte, nun, da Csizsik-Csatáry aufgespürt sei, müsse der Kriminelle umgehend in Ungarn vor Gericht gestellt werden.