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Türkei:Erdoğans Schwiegersohn als Finanzminister abgelöst

Türkei: Präsident Recep Tayyip Erdoğan und sein Schwiegersohn Berat Albayrak

Der türkische Finanzmininster Berat Albayrak (re.) und sein Schwiegervater: der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan

(Foto: Lefteris Pitarakis/AP)

Mitten in der Währungskrise räumt Berat Albayrak seinen Posten - sein Rücktritt sorgt für Irritationen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat den Rücktritt seines Schwiegersohns vom Amt des Finanzministers angenommen. Wie sein Büro mitteilte, würdige Erdoğan Berat Albayraks Dienste als Finanzminister, der das Land mit "minimalem Schaden" durch Krisen wie die Corona-Pandemie geführt habe, hieß es. Erdoğan ernannte den ehemaligen Verkehrsminister und früheren stellvertretenden Ministerpräsidenten Lütfi Elvan zum neuen Finanzminister.

Erdoğans Schwiegersohn Albayrak hatte am Sonntagabend überraschend seinen Rücktritt via Instagram erklärt. Zur Begründung gab er gesundheitliche Probleme an.

Erdoğan hatte mehr als 24 Stunden lang offengelassen, ob er den Rücktritt annimmt. Für Irritation sorgte auch, dass in den wichtigen Medien des Landes, die zum Großteil der Regierung nahestehen, der Rücktritt Albayraks zunächst nicht thematisiert worden war.

Die türkische Lira ist stark unter Druck

Albayrak war seit Juli 2018 türkischer Finanzminister. Zwischenzeitlich war der Ehemann von Erdoğans Tochter Esra als dessen Nachfolger an der Spitze der Regierungspartei AKP gehandelt worden, verlor aber zunehmend an Popularität.

Lütfi Elvan war in der Vergangenheit bereits stellvertretender Ministerpräsident. Nun wird er türkischer Finanzminister.

(Foto: PRAKASH SINGH/AFP)

Beobachter gingen davon aus, dass Albayraks Rücktritt mit der Berufung Naci Ağbals als neuem Notenbankchef zusammenhängt. In der Nacht zu Samstag hatte Erdoğan ohne Begründung Zentralbank-Chef Murat Uysal entlassen. Sein Nachfolger Ağbal war von 2015 bis 2018 Finanzminister des Landes.

Zu seinen wichtigsten Aufgaben dürfte die Krise der türkischen Lira gehören. Keine Währung eines Schwellenlandes ist im Corona-Jahr 2020 schlimmer unter die Räder gekommen. Der Wechselkurs steht mittlerweile bei fast zehn Lira für einen Euro. Die Notenbank werde alle politischen Instrumente entschlossen einsetzen, um das Ziel der Preisstabilität zu erreichen, versicherte Ağbal kurz nach seiner Amtsübernahme.

© SZ/dpa/saul/hij/cat
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