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Proteste bei Staatsbesuch:Harsche Worte von Erdoğan beim Staatsbankett

Der Besuch des türkischen Präsidenten beginnt in unterkühlter Atmosphäre. Beim Bankett fällt Erdoğan kurz aus seiner diplomatischen Rolle.

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Türkischer Präsident in Deutschland

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So sieht es aus, wenn der türkische Präsident zu Besuch in Deutschland ist: Recep Tayyip Erdoğan und sein Konvoi fahren die Reinhardtstraße in Berlin hoch zum Schloss Bellevue. Dort trifft Erdoğan Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zum ersten offiziellen Auftritt seines dreitägigen Staatsbesuchs.

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Bereits am Donnerstag traf Erdoğan in Berlin ein, sein Staatsbesuch findet unter massiven Sicherheitsvorkehrungen statt. Nachdem das Verhältnis zwischen Berlin und Ankara in den vergangenen Monaten stark gelitten hat, sucht die Türkei wieder verstärkt die Annäherung an Deutschland. Bundespräsident Steinmeier empfängt Erdoğan, so wirkt es zumindest, in unterkühlter Atmosphäre. Viel gelächelt wird nicht.

Türkischer Präsident in Deutschland

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Steinmeiers Frau Elke Büdenbender (links) und die Frau des türkischen Präsidenten, Emine Erdoğan, nehmen an der Zeremonie vor Schloss Bellevue ebenfalls teil.

Türkischer Präsident in Deutschland

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Steinmeier und Erdoğan schreiten die Ehrenformation des Wachbataillons ab. Der Bundespräsident ärgert sich noch immer über die Aggressionen aus Ankara in den vergangenen zwei Jahren. Doch gemeinsam mit Kanzlerin Angela Merkel will er sich diesmal auf einen besonderen Versuch einlassen. Ohne allzu laute Belehrungen vor seiner Ankunft will er Erdoğan nach dem großen Empfang - unter dem Eindruck dieser Geste - von seinem harschen, antidemokratischen Kurs abbringen.

Türkischer Präsident in Deutschland

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Erdoğan beim Eintrag ins Goldene Buch. Am Abend gibt Steinmeier ein Staatsbankett für ihn, ebenfalls auf Schloss Bellevue. Einige der geladenen Gäste, darunter Bundestagsabgeordnete der Opposition, haben aus Protest abgesagt.

Turkish President Erdogan visits Berlin

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Bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Merkel am Nachmittag fordert der türkische Präsident die Auslieferung des Journalisten Can Dündar. Dündar ist einer der bekanntesten Journalisten der Türkei und lebt seit Sommer 2016 in Deutschland im Exil. Zudem erklärt Erdoğan, dass in Deutschland Hunderte Anhänger der Gülen-"Terrororganisation" und PKK-Terroristen leben würden. Merkel hebt die "seit Jahrzehnten sehr engen Verbindungen" zwischen Deutschland und der Türkei hervor, kommt aber nicht umhin, die "tiefgreifenden Differenzen" in Fragen von Rechtsstaatlichkeit und Pressefreiheit, die das Verhältnis der beiden Länder in den vergangenen Jahren belastet hätten, zu erwähnen.

Turkish President Erdogan visits Berlin

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Bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Merkel kommt es auch zu einem Zwischenfall. Ein Fotograf wird von Sicherheitsbeamten abgeführt. Zuvor hat sich der Mann in der ersten Reihe der anwesenden Journalisten ein T-Shirt mit der Forderung nach Freilassung inhaftierter Journalisten übergestreift. Während er abgeführt wird, ruft der Fotograf mehrfach: "Ich habe nichts gemacht." Bei dem Mann handelt es sich um den türkischen Journalisten und Erdoğan-Kritiker Ertuğrul Yiğit, der seit Jahren in Hamburg lebt. Präsident Erdoğan verfolgt die Szene lächelnd. Die Pressekonferenz geht im Anschluss ungestört weiter.

Ein Regierungssprecher rechtfertigt das Vorgehen der Ordner: "Wir halten es bei Pressekonferenzen im Kanzleramt wie der Deutsche Bundestag: keine Demonstrationen oder Kundgebungen politischer Anliegen."

Protest during the visit of Turkish President Erdogan in Berlin

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Auf auf den Straßen Berlins kommt es zu politischem Protest. Die größte Demonstration von oppositionellen Kurden startet unter dem Motto "Erdogan not welcome" am Potsdamer Platz.

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Beim Staatsbankett am Freitagabend schüttelt der Grünen-Politiker Cem Özdemir die Hand Erdogans. Özdemir hatte das Format zuvor kritisiert und gesagt, ein Arbeitsbesuch ohne Pomp wäre sinnvoller gewesen. Am Bankett teilnehmen wollte er trotzdem, um Erdoğan mit Kritik zu konfrontieren.

Bei seiner Rede zum Staatsbankett weicht Erdoğan von seinem vorbereiteten Redemanuskript ab und schimpft: Es könne nicht sein, dass in der Türkei Verurteilte in Deutschland frei herumliefen. Er bezieht sich auf den Journalisten Can Dündar. Zum Schluss sucht er dann aber doch die Versöhnung: Die Liebe der Deutschen und der Türken zueinander sei so groß, dass sie nie zerbrechen könne. Er sagt es auf Deutsch.

Women walk in front of Cologne Central Mosque, in Cologne

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Auf Erdoğans Programm in Deutschland steht außerdem eine Moscheeeröffnung. Am Samstag fährt der türkische Präsident weiter nach Köln, um die neue Zentralmoschee der Türkisch-Islamischen Union Ditib zu eröffnen (Bild). Auch in Köln sind Proteste gegen den türkischen Präsidenten geplant.

© SZ.de/fued/lalse/mane
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