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Erdgasstreit:Griechenland dementiert Gespräche mit der Türkei

Militärübung im Mittelmeeer

Nato-Partner auf Kollisionskurs: Kriegsschiffe aus Griechenland, Italien, Zypern und Frankreich nehmen Ende August an einer gemeinsamen Militärübung südlich der Türkei teil.

(Foto: dpa)

Laut Nato wollen Ankara und Athen miteinander reden, um militärische Zwischenfälle im östlichen Mittelmeer zu vermeiden - Athen widerspricht umgehend. Auch Bundeskanzlerin Merkel versucht eine weitere Eskalation im Erdgasstreit zu verhindern.

Zur Deeskalation im Streit um Bohrrechte im Mittelmeer hätten sich die Türkei und Griechenland auf die Aufnahme von Gesprächen geeinigt, teilte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Donnerstagabend mit. Aus der griechischen Regierung hieß es jedoch, eine Gesprächsvereinbarung entspreche "nicht der Realität": Deeskalation werde es nur geben, wenn die Türkei alle ihre Schiffe aus griechischen Gewässern abziehe.

Am Freitagmittag präzisierte Stoltenberg die Aussage: Es handele sich um "technische Gespräche", die ausschließlich eine Deeskalation auf militärischer Ebene zum Ziel hätten. Es ginge nicht um Verhandlungen zur Lösung des Konflikts auf politischer Ebene.

Die Spannungen zwischen den beiden Nato-Partnern Griechenland und Türkei haben zuletzt stark zugenommen. Die Türkei suchte nach Erdgasvorkommen in Gewässern, die Griechenland für sich beansprucht. Internationale Vermittler versuchen derzeit mit allen Kräften, eine Eskalation abzuwenden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan sprachen am Donnerstagabend per Videokonferenz über den Konflikt. Erdoğan kritisierte dabei der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge die Haltung Griechenlands als egoistisch und ungerechtfertigt und verurteilte Länder, die Athen unterstützten.

Unter anderem Frankreich hatte jüngst als Zeichen der Solidarität mit Griechenland und Zypern die französische Militärpräsenz im östlichen Mittelmeer erhöht. Merkel hatte bereits mehrmals versucht, in dem Konflikt zu vermitteln. Auch Außenminister Heiko Maas (SPD) reiste zu Gesprächen in die Türkei und nach Griechenland, ohne die beiden Nato-Partner zueinander bringen zu können.

Im Zuge von Militärmanövern in dem Seegebiet war es zuletzt sogar zu einer Kollision zwischen einem griechischen und einem türkischen Kriegsschiff gekommen. Die Türkei wirft Griechenland vor, für den Zusammenstoß verantwortlich zu sein.

© SZ.de/dpa/liv/jsa
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Von Tomas Avenarius, Karoline Meta Beisel und Daniel Brössler

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