Nord Stream 2:Trump wettert gegen Nord Stream 2

Dann kamen Nord Stream und das Gas aus Russland, das in Lubmin anlandet und ins europäische Netz verteilt wird. Dann kam unter anderem auch ein Betreiber eines Offshore-Windparks. "Unser großes Glück", sagt Axel Vogt, 51, der Bürgermeister von der CDU, im Hauptberuf Rechtsanwalt, im Ehrenamt auch Rettungsschwimmer. Er macht gerade Ferien, er schwärmt am Handy von Gewerbesteuern, sanierten Straßen und gesunder Haushaltslage dank der Unternehmen. Und zumindest während der Bauphase von Nord Stream 2 werden auch örtliche Handwerker gebraucht und Hotels, im Betrieb wird die automatisierte Nord Stream 2 in Lubmin nur wenige Spezialisten brauchen.

Jobs sind in Vorpommern jenseits des Fremdenverkehrs ja eher rar, andere Seebäder der Region hängen praktisch ausschließlich am Tourismus. Das Projekt Nord Stream 2 sei in Lubmin akzeptiert, glaubt der Bürgermeister Vogt, "wir sehen das positiv." Wobei: "Es gibt natürlich auch kritische Meinungen." Dass sein Kleinod da in eine heikle Weltdebatte geraten ist, gefällt ihm weniger, aber historisch sei Russland dieser Gegend halt näher als Amerika.

1224 Kilometer

lang soll die Pipeline insgesamt werden, sie besteht aus 200 000 Röhren; die Route beginnt in Wyborg in Russland, in der Nähe von St. Petersburg, und endet in Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern. Jedes Rohr ist zwölf Meter lang und 24 Tonnen schwer.

Der russische Gas-Konzern Gazprom ist der Mehrheitseigner der Nord Stream AG, die in Zug in der Schweiz sitzt, den Aktionärsausschuss leitet der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder. Geostrategisch dreht sich die Diskussion um die Frage, ob Europa wirklich weitere 55 Milliarden Kubikmeter Gas aus zwei weiteren Riesenröhren aus Russland braucht und welche Rolle Putins Kreml spielt. Da gehen die Meinungen stark auseinander.

Ökologen befürchten irreversible Schäden

Trump wettert gegen Nord Stream 2 - die USA wollen Europa ihr Flüssiggas verkaufen. Ukrainer, Polen und Balten schimpfen, die Dänen stellen Bedingungen, die EU ist gespalten. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hält diese zweite Ostsee-Pipeline für überflüssig; Deutschland und Europa brauchten sie nicht, sie könne sogar die Energiewende behindern. Da wäre man dann auch bei Meeresschützern wie Thorsten Werner, der für den Naturschutzbund Nabu in Stralsund wacht, eine Stunde von Lubmin entfernt. Er ist von dem Baustart entsetzt.

Die Berliner Nabu-Zentrale hatte versucht, Nord Stream 2 zu stoppen, zuletzt mit einem Eilantrag in Karlsruhe. Vergeblich. Eine Klage des Nabu ist zwar noch anhängig, aber im Greifswalder Bodden darf gebaggert werden. "Massive Eingriffe in geschützte Lebensräume", sagt Werner. "Das wollten wir verhindern." Ökologen befürchten irreversible Schäden in der Ostsee selbst im Falle eines Rückbaus, falls Nord Stream 2 doch scheitert, was unwahrscheinlich ist. Warum keine Anwohner auf die Barrikaden gehen wie zwischenzeitlich Bauern auf Rügen? Das Problem sei halt weitgehend unter Wasser, "für uns als Menschen schwer zu fassen", vermutet Werner. Allerdings landeten kürzlich mindestens 145 Kilo Schmierfett von einem Bagger von Nord Stream 2 in der Bucht.

Die Klumpen wurden eingesammelt. Ansonsten: Man habe Umweltstudien gemacht, besitze Genehmigungen und halte sich an die Gesetze, sagt Steffen Ebert, die Stimme von Nord Stream 2 in Lubmin. "Wir sind keine arroganten Investoren. Wir haben einen Zeitplan, wir wollen jegliches Störfeuer vermeiden." Er wirbt und erklärt, wie all die Prospekte und Infotafeln von Nord Stream. Ja, Europa brauche das Gas. Nein, Europa werde nicht abhängiger von Russland, es gebe noch genug Bedarf aus anderen Ländern.

Eckhard Heitmann dreht mit seiner Nadir noch eine Runde um die Castoro 10 mit den Gas-Stahlrohren. Drumherum fahren all die Baggerschiffe, und dann ist da auch noch ein Kabelleger für den Offshore-Windpark. Ein bisschen viel auf einmal für die Fischer, sagt Eckhard Heitmann und fährt zurück zur Marina von Lubmin vor dem alten Atomkraftwerk und dem neuen Ende von Nord Stream 2.

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