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Erbe des verstorbenen Präsidenten:Chávez im Geiste

Er war der Comandante, eine Ikone des Sozialismus und das nicht nur in Venezuela: Hugo Chávez und sein politischer Erfolg standen für einen Linksruck in ganz Lateinamerika. Wer könnte dort nach seinem Tod diese Rolle übernehmen?

Von Antonie Rietzschel

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Hugo Chavez ist tot -Nicolas Maduro

Quelle: dpa

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Er war der Commandante, eine Ikone des Sozialismus und das nicht nur in Venezuela: Hugo Chávez und sein politischer Erfolg standen für einen Linksruck in ganz Lateinamerika. Wer könnte dort nach seinem Tod diese Rolle übernehmen?

Der offizielle Nachfolger: Nach dem Tod von Hugo Chávez leitet Nicolás Maduro die Staatsgeschäfte in Venezuela - zumindest bis zu den Neuwahlen, die innerhalb von 30 Tagen abgehalten werden müssen. Chavez hatte ihn noch vor seinem Tod zum Vizepräsidenten ernannt. Maduro galt bislang als moderater und kompromissbereiter als Chávez - Weggefährten beschreiben ihn als freundlich, zugänglich und dialogbereit.

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Doch seit er die täglichen Amtsgeschäfte führt, hat er sich zunehmend radikalisiert. Vor allem gegenüber der seiner Meinung nach "dekadenten" Opposition verschärfte Maduro den Ton. Den Gouverneur Henrique Capriles, der Chávez bei der Wahl im Oktober 2012 unterlag, nannte er den "Prinzen einer parasitären Bourgeosie".

Kurz vor Chávez' Tod ließ er US-Diplomaten wegen einer angeblichen "Destabilisierung" Venezuelas ausweisen. Den "historischen Feinden" Venezuelas warf er vor, hinter Chávez' Krebserkrankung zu stecken. Ob er es mit dieser Taktik schafft aus dem Schatten des "Giganten", wie er Chávez selbst nennt, hervorzutreten?

Diosdado Cabello

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Erbe des verstorbenen Präsidenten:Diosdado Cabello

"Der Pate von Venezuela", "Nummer eins aus Verlegenheit", "korrupt" - so beschreiben vor allem Medien Diosdado Cabello. Klingt nicht gerade nach einer Empfehlung für den venezolanischen Parlamentspräsidenten, das geistige Erbe Chávez` weiterzutragen. Dass der verstorbene Präsident Maduro als Vize ernannt hat, obwohl dieser Posten laut Verfassung Cabello zugestanden hätte, spricht für sich. 

Former Cuban leader Fidel Castro attends the opening session of the National Assembly of the People's Power with brother Raul in Havana

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Die Frage nach einem neuen geistigen Führer stellt sich nicht nur in Venezuela selbst. Der Commandante prägte einen Linksruck in ganz Lateinamerika. Wer unter Chávez' Verbündeten könnte zukünftig dem Sozialismus ein Gesicht geben? Der einstige kubanische Revolutionsführer Fidel Castro ist schon allein körperlich nicht dazu in der Lage. Der 86-Jährige musste 2008 nach einer schweren Darmerkrankung zurücktreten. Die Amtsgeschäfte leitet seitdem sein Bruder.

Dazu kommt, dass sich Castro nur dank Chávez' Öllieferungen aus Venezuela an der Macht halten konnte. Nach dessen Tod scheint die politische Zukunft des Landes offener denn je zu sein. 

Nicaragua's President Daniel Ortega speaks during an event to commemorate Venezuela's President Hugo Chavez in Managua

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Das gleiche gilt für Daniel Ortega in Nicaragua. Auch er konnte sich bisher nur dank der Rohstofflieferungen aus Venezuela seit seiner Wahl als Staatspräsident 2006 an der Macht halten. Chávez unterstützte ihn - obwohl aus dem ehemaligen marxistischen Guerrillero ein pragmatischer, gemäßigter Politiker geworden ist, der im Einklang mit der katholischen Kirche regiert. Ortega unterhält Beziehungen zu Iran, zu Russland und Kuba, aber auch zu den Vereinigten Staaten und Taiwan.

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Der bolivianische Präsident Evo Morales hat zwar eigene Rohstoffe, seine Zeit ist dennoch abgelaufen: Nach der Verfassung dürfte er nicht für eine dritte Amtszeit kandidieren. Doch er könnte wie Chávez 2009 die Verfassung dahingehend ändern lassen, dass er häufiger antreten kann.

Peru's President Ollanta Humala waves from the back of a vehicle as he rides from Congress to the presidential palace in Lima

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Während der Präsidentschaftswahl 2006 in Peru nannte sich Ollanta Humala selbst "Commandante" - das Volk tat es ihm nach. Im Wahlkampf wurde er durch Chávez unterstützt, was ihm wohl eher geschadet als genützt hat: Angesichts Humalas radikaler Ansichten wählte die Mehrheit der Bevölkerung Ex-Präsident Alan Garcia. Humala legte den selbst gewählten Titel ab und gewann 2011 mit einem moderateren Auftritt die Wahl. Um Investoren nicht zu verschrecken, besetzte er sein Kabinett vor allem mit gemäßigten Politikern.

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Als Rafael Correa 2007 zum Staatspräsidenten von Ecuador gewählt wurde, galt das als weiterer Beweis für den Linksruck in Lateinamerika. Correa wurde der vierte Mann, hinter Chávez, Morales und Humala. Während er sich innenpolitisch der Armutsbekämpfung widmet, ist er ähnlich wie seine Amtskollegen den USA gegenüber kritisch eingestellt. So unterzeichnete er das nahezu fertige bilaterale Freihandelsabkommen mit den USA nicht, weil Kleinbauern ihre Existenzgrundlage durch hoch subventionierte US-Agrarprodukte bedroht sahen. Am 17. Februar 2013 wurde Correa wiedergewählt. Obwohl er Chávez bewundert, ist es unwahrscheinlich, dass er in dessen Fußstapfen tritt, betreibt er doch selbst eine weniger ideologisierte Umverteilungspolitik. Correa definiert sich als "linken christlichen Humanisten".

So kann auf Anhieb wohl niemand die Lücke füllen, die durch den Tod Chávez entstanden ist. Die Zeit der großen Ideologen scheint zu Ende zu sein.

Mitarbeit: Sebastian Schoepp

© Süddeutsche.de/anri/beitz/rus

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