Epstein-SkandalWie Epstein sein Netz in Paris strickte

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Freunde der Kultur: Der französische Ex-Minister Jack Lang (li.) und Sexualstraftäter Jeffrey Epstein vor dem Louvre in Paris.
Freunde der Kultur: Der französische Ex-Minister Jack Lang (li.) und Sexualstraftäter Jeffrey Epstein vor dem Louvre in Paris. US Deparment of Justice/AFP
  • Jeffrey Epstein unterhielt enge Verbindungen nach Frankreich und wird in deklassifizierten Akten 685 Mal im Zusammenhang mit Ex-Kulturminister Jack Lang erwähnt.
  • Lang lernte Epstein 2012 über Woody Allen kennen und bestreitet, von dessen Verbrechen gewusst zu haben, obwohl diese seit 2008 bekannt waren.
  • Langs Tochter Caroline arbeitete geschäftlich eng mit Epstein zusammen und erhielt von ihm fünf Millionen Euro für einen Fonds auf den Jungferninseln.
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Eine Wohnung von 800 Quadratmetern, gleich am Triumphbogen: Dort residierte der Sexualstraftäter während seiner häufigen Frankreich-Aufenthalte. Zum berühmten früheren Kulturminister Jack Lang pflegte er offenbar eine besondere Nähe.

Von Oliver Meiler, Paris

Jeffrey Epstein liebte Paris. Der amerikanische Milliardär besaß eine Wohnung an der Avenue Foch, im 16. Arrondissement, beste Lage, ganz nah am Triumphbogen: 800 Quadratmeter groß. Das Nachrichtenmagazin Le Point zeigt nun wieder Fotos daraus. Aus jedem schreit der Reichtum dieses 2019 verstorbenen Netzwerkers und Sexualstraftäters, dessen Nachlass an Mails, SMS und Dokumenten gerade viele mächtige und wichtige Menschen auf dieser Welt belastet.

Und dafür reicht es oft schon, dass sie darin einfach nur erwähnt sind, was noch gar nichts bedeuten muss. Emmanuel Macron etwa taucht 240 Mal in den deklassifizierten Akten auf: Jedes Umfrageergebnis und jedes Wahlresultat des französischen Präsidenten notierte sich Epstein. Er interessierte sich offenbar überdurchschnittlich stark für französische Politik, kannte deren Figuren, beschäftigte sich auch einmal ziemlich direkt mit den chronischen Finanznöten der extrem rechten Partei Rassemblement National von Marine Le Pen. Deshalb findet sich auch ihr Name im großen Dokumentenwust.

685 Mal taucht der Name von Jack Lang in den Akten zum Fall Epstein auf

Ein Name aber scheint darin besonders oft auf, ein berühmter dazu: Jack Lang, langjähriger und gefeierter früherer Kulturminister Frankreichs, Sozialist, eine Großpersönlichkeit der französischen Öffentlichkeit. 685 Mal insgesamt. Lang ist heute 86 Jahre alt und Präsident des Institut du monde arabe, einer bedeutenden Pariser Kultureinrichtung. Man hat ihn schon länger nicht mehr öffentlich gesehen. Als jetzt aber sein Name so prominent genannt wurde, fühlte er sich gedrängt, sich wieder einmal dem großen Publikum zu zeigen und seine Nähe zu Epstein zu erklären.

Er war dafür beim Radiosender RTL und auf dem Nachrichtenkanal BFM TV. Dort erzählte er, wie er Epstein kennengelernt hat. 2012 war das. Vermittelt habe das Treffen der Regisseur und Schauspieler Woody Allen, ein gemeinsamer Freund. Als man Lang darauf hinwies, dass Epsteins finstere Seite schon seit 2008 und dessen Verurteilung wegen der Prostitution eines minderjährigen Mädchens bekannt gewesen sei, sagte Lang: „Wenn ich Leuten begegne, verlange ich nicht nach ihrem Strafregisterauszug, dann frage ich sie nicht nach ihrer persönlichen Geschichte.“ Er habe Epstein als „kultivierten Mann“ kennengelernt, mit einer Leidenschaft für Kunst und Kultur. Wenn Epstein jeweils in Paris war, habe er dafür gesorgt, dass der die großen Museen auch besuchen konnte, wenn sie fürs Publikum geschlossen waren. „Wenn ich jetzt lese, was man ihm vorwirft, ist es, als wäre er Dr. Jekyll und Mister Hyde gewesen.“

Bei seinem Radiointerview wurde Lang mit einem Mailaustausch konfrontiert, den er 2013 mit Epstein hatte. Lang hatte seinem Bekannten vom Projekt eines neuen Bildungsansatzes für Kinder berichtet, auf fünf Seiten. Sie sollten mehrere Sprachen lernen: weniger Theorie, mehr Praxis. Epstein antwortete darauf: „Die Kinder sollten eingeführt werden in die Religion und in die neuen Sexualitäten.“ Er erinnere sich nicht an diese Mail, sagte Lang nun. Der Interviewer hakte nach: „Aber verstehen Sie, dass das Fragen aufwirft?“ Lang: „Ich bin nicht beauftragt mit der Untersuchung des Falls Epstein.“

Die Franzosen fragen sich, ob es sein kann, dass Lang nichts von Epsteins Verbrechen wusste

Lang wird nichts vorgeworfen, was strafrechtlich relevant wäre. In Frankreich fragt man sich aber, ob es tatsächlich sein könne, dass Lang nichts wusste von den Verbrechen Epsteins. Oder ob er vielleicht darum wusste und dennoch nicht mit ihm brach.

Seine Tochter, Caroline Lang, frühere Schauspielerin und Managerin in der Filmindustrie, wird in den Files etwa tausend Mal erwähnt. Sie arbeitete in ihrer Karriere zunächst für das Medienunternehmen des britischen Magnaten Robert Maxwell, des Vaters von Ghislaine Maxwell, Epsteins Komplizin. Später wechselte Lang zum US-Filmkonzern Time Warner. Sie war geschäftlich so eng mit Epstein verbunden, dass der in einen Fonds auf den Jungferninseln, an dem sie die Hälfte hielt, fünf Millionen Euro schoss – das gesamte Kapital. Caroline Lang erscheint auch in Epsteins Testament.

Zweimal überwies Epstein Geld für Filmprojekte der Familie Lang, insgesamt 100 000 Dollar. Jack Lang riet Epstein auch zum Kauf eines Riads, eines Stadthauses mit Patio, in Marrakesch – für 5,4 Millionen Euro. „Offshore“, schrieb Lang dazu.

Caroline Lang trat nun vor ein paar Tagen als Chefin der Gewerkschaft unabhängiger Filmemacher zurück, der Druck war einfach zu groß geworden. Auch Jack Lang wird von allen Seiten bedrängt, er möge die Präsidentschaft des Institut du monde arabe abgeben. Er aber sagt, er denke nicht daran.

Das letzte Mal trafen sich Vater und Tochter Lang mit Jeffrey Epstein drei Monate vor dessen mysteriösem Tod in einer New Yorker Gefängniszelle. Verhaftet wurde Epstein im Sommer 2019, als er aus seinem Privatjet stieg – auf der Rückreise aus Paris.

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Alle wollten, dass die Epstein-Akten ins Netz gestellt werden. Jetzt wird die Welt damit geflutet – und die Dokumentation des Bösen versinkt in Fakes und Belanglosigkeiten. Warum Transparenz die Menschheit nicht zwingend weiterbringt.

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