Entwicklungshilfe in privater Hand:Wie wirksam ist die Arbeit privater Stiftungen?

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Bislang versucht die Gates-Stiftung vor allem, die wirtschaftliche Entwicklung der Landwirtschaft in Afrika voranzutreiben, unterstützt aber auch die Erforschung und Entwicklung von Pflanzen mit neuen Eigenschaften. Es gibt etliche Projekte, die die Stiftung gemeinsam mit anderen Organisationen oder Staaten finanziert. So hat die Bundesregierung etwa 2012 entschieden, zehn Millionen Euro in Familienplanungsprojekte in Westafrika zu investieren. Weitere zehn Millionen kommen von der Gates-Stiftung. Weitere gemeinsame Projekte existieren in den Bereichen Gesundheit, Wasser, Landwirtschaft, Stadtentwicklung, Mikrofinanzen.

Dass dabei nicht alles zum Erfolg führen muss, empfindet Mathias Mogge von der Welthungerhilfe durchaus auch als Vorteil gegenüber staatlichen Akteuren: Durch das Geld aus privaten Quellen könnten Stiftungen "risikofreudiger" sein. "Gerade die Gates-Stiftung setzt ganz bewusst da an, wo Neues erforscht und erprobt wird", sagt er.

Bill Gates und seine Frau Melinda sind nicht die einzigen prominenten Akteure in der Entwicklungszusammenarbeit. Die Stiftung "One" des U2-Sängers Bono beispielsweise setzt sich für den Schuldenerlass für Länder der Dritten Welt ein. Doch wie viel letztlich von Foto-Terminen mit Prominenten bleibt, ist umstritten: Kurz vor dem G8-Gipfel in Heiligendamm im Jahr 2007 traf Bono in Berlin auf Angela Merkel und nahm der Bundeskanzlerin zwei Versprechen ab. Afrika müsse verstärkt in den Fokus der Entwicklungspolitik gerückt werden - und Deutschland werde seine finanziellen Hilfsmittel auf mehr als sechs Milliarden Euro aufstocken. "Eine weise Frau" nannte der Musiker die Kanzlerin damals - und wurde doch enttäuscht. Denn letztlich gab die Bundesrepublik in Absprache mit den anderen G-8-Ländern nur die Hälfte der in Aussicht gestellten Mittel frei.

Mehr Transparenz

Ob politische Arbeit oder Spenden - wie wirksam die Arbeit privater Stiftungen ist, lässt sich nicht so einfach sagen. Denn dafür fehlt es vor allem an Daten, wie ein Bericht des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik zeigt. Das Thema würde zwar immer stärker diskutiert. Die Debatte drehe sich aber vor allem um die großen Stiftungen. Dies suggeriere, dass sie den größten Einfluss unter den privaten Stiftungen in der Entwicklungszusammenarbeit ausüben.

Für ihren Bericht mit dem Titel "Private Stiftungen und Entwicklungszusammenarbeit", befragten die Mitarbeiter des Instituts Empfänger von Spenden, vor allem lokale Projekte in Tansania, über ihre Erfahrungen. Sie berichteten, dass Stiftungen innovativere Ansätze für Projekte hätten - wie etwa neue Methoden im Bildungs- oder Agrarsektor. Zudem habe das Geld die Umsetzung von Regierungsideen ermöglicht, für die sonst die Mittel gefehlt hätten.

Gleichzeitig wird deutlich, dass es vereinzelt einen mangelhaften Informationsaustausch zwischen Regierungs- und privaten Akteuren gibt. Der Bericht spiegelt jedoch lediglich die aktuelle Situation, eine Beurteilung über die Wirksamkeit der Arbeit gibt es nicht. Das Fazit lautet deshalb vor allem: Stiftungen und Initiativen müssen transparenter werden. Dann ließen sich Zweifel an ihrer Arbeit leichter zerstreuen.

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