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Entwicklungshilfe in Afghanistan:Wachsender Fatalismus

Afghanistan ist (wieder einmal) verloren, wenn es auch von den Helfern aufgegeben wird; sie haben erfahrungsgemäß eine größere Durchhaltefähigkeit als das Militär, das auf die populäre Unterstützung zu Hause und in den Parlamenten angewiesen ist. Die Taliban haben den NGOs nun die brutale Botschaft übermittelt, dass auch sie im Land nicht erwünscht sind. Unter den Helfern wogt eine Debatte, ob die vielen Soldaten der eigenen Arbeit genutzt oder geschadet haben. Die Antwort der Taliban ist simpel: Es gibt keinen großen Unterschied zwischen Zivilsten und Uniformträgern. Es gibt nur Ausländer und die Gegner der Taliban, weil sie deren Verständnis von Gesellschaft und Modernität untergraben.

Tom Little of the International Assistance Mission poses in front of donated vehicles in London in this undated photo

Einer der Toten ist Tom Little (3.v.r.), Augenarzt und Entwicklungshelfer von der "International Assistance Mission".

(Foto: REUTERS)

Der Wunsch nach einem Abzug der Soldaten wächst in den Entsendestaaten. Auch die zivilen Helfer werden in den Sog dieser Debatte geraten. Gerade hat eine private Organisation eine von einem Talib brutal entstellte Frau mit großer öffentlicher Aufmerksamkeit zu einer Operation ausfliegen lassen. Gerade wurde ein deutscher Wächter einer amerikanischen Hilfsorganisation ermordet. Und nun das Schicksal von Tom Little und seinen neun Mitarbeitern. Ergibt sich das Heer der zivilen Helfer dem wachsenden Fatalismus? Es kann ihr Ziel nicht sein, die Arbeit von so vielen Jahren zerstört zu sehen.

© SZ vom 09.08.2010/bavo
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