Entwicklungshilfe:Eliten, die das Volksvermögen rauben

Wohltätigkeit besiegt nicht die Armut. Nichts ist gegen spontane Solidarität nach verheerenden Naturkatastrophen zu sagen, nichts gegen Spenden für Nothilfe. Aber in der Entwicklungshilfe müssen wir den Mut haben, einen einmal eingeschlagenen Weg als falsch zu erkennen und umzukehren. Der Weg der Entwicklungshilfe war für viele Länder in Afrika falsch, vielleicht nicht generell, aber sie hat nicht das bewirkt, was beabsichtigt war.

Meines Erachtens ist Ermutigung und Stützung der Eigenverantwortung das beste Rezept, um bescheidenen Wohlstand zu schaffen. Die Betreffenden müssen es allerdings auch wollen. Afrika wird erst dann ein Hoffnungskontinent, wenn es ernsthafte wirtschaftliche Reformen, eine Öffnung der innerafrikanischen Märkte, bessere Investitionsgesetze, Verbesserungen im Bildungs- und Gesundheitssystem und vor allem keine Eliten mehr gibt, die das Volksvermögen rauben und ins Ausland transferieren.

Ein Gutteil der Entwicklungshilfe, die wir in der Vergangenheit in Afrika an den Mann zu bringen versucht haben, hat nicht den gewünschten Effekt erzielt, weil sie die Menschen in Afrika in ihrer Unselbständigkeit bestärkt haben. Das System der Hilfe ächzt hinten und vorne, aber es wird gegen jede Kritik abgedichtet. Die Betreuungsindustrie hat die Tendenz, den Afrikanern vorschreiben zu wollen, wie sie zu leben haben. Der weitverbreitete Paternalismus, die Neigung, besser als der Betroffene zu wissen, was gut für ihn ist, entmündigt die Menschen. Warum wird den Afrikanern immer wieder eingeredet, dass sie ihre Probleme nicht selbst lösen könnten?

Regieren in Afrika heißt Improvisieren und Durchwursteln

Erst wenn wir nicht mehr das Wunschbild verbreiten, dass sich Entwicklung von außen steuern lässt, wird sich etwas ändern. Es gibt keine überzeugenden Argumente für immer mehr Hilfe, wenn die Impulse für Entwicklung nicht aus dem Land selbst kommen. Regieren in vielen Ländern Afrikas ist ein ständiges Improvisieren und Durchwursteln. Heute schaffen diese Eliten durch Nichtstun etwa in der Landwirtschaftspolitik erst die Probleme, zu deren Lösung sie danach die westlichen Steuerzahler auffordern.

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