Entscheidender Sieg für Milliardär:"Unglaublich" - Trump wird es wirklich

Der konservative Bewerber fürs Weiße Haus heißt Donald Trump, weil sein Rivale überraschend aufgibt. Über einen historischen Wahltag mit Elementen des Wahnsinns.

Von Johannes Kuhn, New Orleans

Surreale Behauptungen, windige Versprechen, eine kräftige Dosis Heuchelei und ein weiterer erledigter Gegner: Der Wahnsinn, der im Wahlkampf Donald Trumps zwischen Haupt- und Nebenrolle changiert, dominiert auch am Dienstag zuverlässig das Geschehen.

Am Morgen noch hatte Trump den Vater seines Rivalen Ted Cruz mit der Ermordung John F. Kennedys in Verbindung gebracht (eine Nonsens-Theorie, die selbst Aluhüte anzweifeln dürften). Dann gewinnt der republikanische Milliardär Indiana mit deutlicher Mehrheit. Indiana war jener Vorwahlstaat, auf den Cruz seine letzten Hoffnungen gesetzt hatte. Als der Rivale aus Texas kurz darauf überraschend seinen Rückzug erklärt, wird aus dem "lügenden Ted" (Trump über Cruz, seit Monaten) schnell ein "zäher, schlauer Typ mit einer glänzenden Zukunft" (Trump über Cruz, am Wahlabend).

"Es war ein unglaublicher Tag, Abend und ein unglaubliches Jahr - ich habe so etwas noch nie erlebt", erklärt der etwas ermattete Trump vor seinen Anhängern in New York. "Unglaublich", jenes Füllwort aus dem Trump-Fundus der Superlative, ist dieser Tag in der Tat: Die Republikaner (oder was von ihnen übrig ist) werden mit dem 69-Jährigen, der bisher keinen einzigen Tag ein politisches Amt innehatte, in den Präsidentschaftswahlkampf ziehen.

Liebe für alle, nur nicht für Hillary Clinton

Der Anlass ist also historisch, doch der Siegesauftritt im Trump-Tower deutet an, dass der 69-Jährige auf diesen Moment noch gar nicht vorbereitet war. Statt eines flammenden Appells zur Einigung der Partei verspricht der Kandidat schlicht "Liebe" (außer für Hillary Clinton) und dass sich die Amerikaner bald wieder ein christliches "Frohe Weihnachten" wünschen dürften. Oh, und die Jobs der Kohle-Bergarbeiter in den Vorwahlstaaten Kentucky und West Virginia werden unter Präsident Trump natürlich nicht nur gerettet, sondern ausgebaut.

Dass diese leere Skrupellosigkeit im Kern der Botschaft keine Rolle spielt, gehört inzwischen bereits zur goldenen Trump-Regel. Noch ist allerdings unklar, ob sie auch im Herbst-Wahlkampf noch gelten wird, wenn nicht nur Konservative abstimmen. Parteichef Reince Priebus bläst jedenfalls die geplante Anti-Trump-Verschwörung für die Parteiversammlung im Juli ab, macht den Milliardär auf Twitter zum "mutmaßlichen Kandidaten" und ruft die Partei zur Einheit auf. Ohios Gouverneur John Kasich bleibt im Rennen, doch er kann Trump weder viele Delegierte streitig machen, noch zur Kategorie "ernsthafter Gegner" gezählt werden.

Böses Blut zwischen Verlierer Cruz und Sieger Trump

Ted Cruz, der Mann, der ihm am ehesten gewachsen war, präsentiert sich bis zum Schluss als Anti-Establishment-Politiker: Dass der Texaner nach der Niederlage in Indiana nicht mehr länger den traurigen Posterboy des #NeverTrump-Lagers spielen möchte, wird ihm 2020 sicherlich nicht schaden. Dann wird der texanische Senator erneut im Rennen erwartet.

"Es sieht so aus, als wäre mein Weg zu Ende", erklärt er seinen Anhängern in Indianapolis. "Wir haben in Indiana alles gegeben, aber die Wähler haben einen anderen Pfad gewählt." Dann beendet er seinen Wahlkampf und rammt seiner Ehefrau Heidi beim Versuch einer Umarmung versehentlich den Ellbogen ins Gesicht.

Am Nachmittag hatte Cruz seinen Rivalen noch als "pathologischen Lügner", "völlig amoralisch" und "narzisstisch in einem Ausmaß, das dieses Land noch nie gesehen hat" bezeichnet. Dass er Donald Trump am Abend mit keinem Wort erwähnt, passt zu diesem wahnsinnigen Tag.

© SZ.de/mati/ghe
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