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Entschärfter Atomstreit:Nordkorea sprengt Kühlturm

Nordkorea hat am Freitag den Kühlturm des Atomreaktors Yongbyon gesprengt und damit seine Bereitschaft zum Verzicht auf ein eigenes Atomprogramm demonstriert. Bundesaußenminister Steinmeier spricht von einer Lösung mit Beispielcharakter.

Eine Zerstörung als Medienspektakel: Mehrere ausländische Fernsehteams beobachteten nach südkoreanischen Medienberichten, wie der 20 Meter hohe Kühlturm kurz nach 16.00 Uhr Ortszeit (9 Uhr MESZ) einstürzte.

Die Sprengung des nordkoreanischen Kühlturms in einer Simulation. Die Aufnahme entstand im südkoreanischen Seoul

(Foto: Foto: AFP)

Die Demontage der Anlage ist das Ergebnis der internationalen Sechs-Parteien-Gespräche, an denen neben Nord- und Südkorea auch die USA, Russland, China und Japan beteiligt waren. Der Reaktor selbst war zuvor fast vollständig abgebaut worden.

Am Donnerstag übergab Nordkorea eine seit langem erwartete Auflistung seines Nuklearprogramms an China und erfüllte damit eine zentrale Forderung aus den internationalen Gesprächen. US-Präsident George W. Bush kündigte daraufhin eine Aufhebung von Handelssanktionen an und stellte eine Streichung Nordkoreas von der Liste der Terrorstaaten in Aussicht. Dies ist ein bedeutender Kurswechsel der US-Politik; Bush hatte Nordkorea noch vor wenigen Jahren als Teil der "Achse des Bösen" bezeichnet.

Die Außenminister der G-8-Staaten begrüßten die Erklärung Nordkoreas als ersten Schritt eines langwierigen Prozesses. "Wir wissen, dass Nordkorea schon häufiger seinen Verpflichtungen nicht nachgekommen ist", sagte US-Außenministerin Condoleezza Rice. Die Erklärung lasse weiterhin einige Fragen offen, etwa zur Urananreicherung in Nordkorea. Es wird angenommen, dass Pjöngjang noch über ausreichend radioaktives Material verfügt, um sechs bis zehn Atombomben herzustellen.

Eine Lösung im Atomkonflikt mit Nordkorea kann nach Ansicht von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) beispielhaft für andere derartige Krisen sein. "Wenn eine Denuklearisierung gelingt aufgrund von internationalen Verhandlungen, auf Druck der internationalen Staatengemeinschaft, kann das Beispielcharakter auch für andere Fälle dieser Art haben", sagte Steinmeier am Freitag nach Abschluss zweitägiger Gespräche der G8-Außenminister in der japanischen Stadt Kyoto vor Journalisten.

Auf die Frage, ob dies auch für den Iran gelte, sagte Steinmeier: "Es zeigt zumindest, dass der manchmal für unzureichend gehaltene Druck der internationalen Staatengemeinschaft bei Ausdauer, Geduld und vor allem bei Wahrung der Geschlossenheit Erfolg haben kann".

Zurückhaltend äußerte sich auch der japanische Außenminister Masahiko Komura, dessen Regierung weiter darauf besteht, dass Nordkorea das Schicksal der in den 70er und 80er Jahren entführten Japaner aufklären soll. Dies sei nicht nur ein Problem Japans, sondern sei auch eine Frage der Menschenrechte, sagte Komura.

Pjöngjang hatte die Liste ursprünglich für Ende 2007 zugesagt. Die Verzögerung blockierte Gespräche über Hilfslieferungen für das verarmte Land. Nordkorea wurden im Gegenzug für die atomare Abrüstung politische und wirtschaftliche Zusagen gemacht.

McCain und Obama zurückhaltend

Bei den designierten US-Präsidentschaftskandidaten John McCain und Barack Obama ist die angekündigte Aufhebung der Sanktionen gegen Nordkorea auf Skepsis gestoßen. McCain zeigte sich zunächst misstrauisch und mahnte zur Vorsicht. Er sei gespannt darauf, alle Einzelheiten der neuen Sachlage zu erfahren, sagte der Republikaner am Donnerstag bei einem Wahlkampfauftritt im US-Staat Ohio. Obama schloss sich seinem Senatskollegen an: "Mit den Worten von Ronald Reagan: Wir müssen vertrauen, aber nachprüfen." Die Gefahr durch die Verbreitung von Nuklearwaffen sei zu lange vernachlässigt worden, kritisierte der Demokrat.

Konservative Republikaner zeigten sich enttäuscht und bezeichneten die Entscheidung der US-Regierung als beschämend. "Das ist der endgültige Kollaps von Bushs Außenpolitik", sagte John Bolton, der frühere US-Botschafter der Regierung Bush bei den Vereinten Nationen. Das Regime in Nordkorea gewinne dadurch "politische und wirtschaftliche Legitimität".

© AP/dpa/odg
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