Entschädigung für DDR-Heimkinder Zum sozialistischen Idealmenschen geprügelt

Hunger, Schläge, Qualen: Mehr als 400.000 Kinder wurden in den DDR-Jugendheimen teils grausam drangsaliert. Ein vom Bundeskabinett und den Ostländern eingerichteter Opferfond soll Betroffene nun für ihr Leiden entschädigen. Doch diese erheben Vorwürfe.

Sie sollten sozialistische Idealmenschen werden, umerzogen mit allen Mitteln. Eiskalte Zwangsduschen, Strafhungern und Schläge gehörten für viele DDR-Heimkinder zum Alltag. Mehr als 400.000 traf dieses Schicksal zwischen 1949 bis 1990 in Jugendwerkhöfen und Heimen der DDR. Viele leiden heute noch unter den seelischen und körperlichen Folgen.

Befehle wie diese im Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau waren Alltag in den Heimen der DDR.

(Foto: dpa)

Nun hat das Bundeskabinett eine Vereinbarung mit den ostdeutschen Ländern getroffen. Durch einen Fonds sollen die DDR-Heimkinder unterstützt werden. Zum 1. Juli sollen 40 Millionen Euro in den Fonds fließen, die je zur Hälfte von Bund und Ostländern getragen werden. Damit sollen therapeutische Behandlungen, Beratungen und Rentenersatzleistungen bezahlt werden. Jedoch sind monatliche Barzahlungen vorerst nicht vorgesehen und die Höchstsumme pro Person beträgt 10.000 Euro.

"Wir können den Betroffenen nur sagen: Wir bitten Sie um Entschuldigung", hatte Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) bereits vor einigen Wochen gesagt. Brandenburgs Jugendministerin Martina Münch (SPD) hatte betont, es müsse deutlich werden, dass die Heimkinder nicht die Schuld an ihrer eigenen Situation trügen. So soll der auf fünf Jahre angelegte Fonds als Bitte um Entschuldigung verstanden werden - und den ehemaligen Heimkindern helfen, die Folgen des Leids ihrer Kindheit zu mildern.

Regierung wolle sich "freikaufen"

Deutliche Kritik an der gefundenen Lösung kommt von den Betroffenen selbst. Mit dem Fonds wolle sich die Regierung "freikaufen", sagte Norda Krauel, Sprecherin der Initiative "Heimkinder Netzwerk". Sie hält die gefundene Lösung lediglich für eine "Überbrückungsmaßnahme" und fordert weitergehende Maßnahmen.

Wichtig sei, dass jetzt möglichst bald gesetzliche Grundlagen zur strafrechtlichen Rehabilitierung der damals minderjährigen Opfer folgten. Dies wäre Voraussetzung für die Auszahlung einer Opferrente, die vom "Heimkinder Netzwerk" gefordert wird. Diese sei mehr als legitim, sagt die persönlich betroffene Krauel. Neben den seelischen Schäden stünden ebenso verwehrte Chancen in der Schul- und Berufsausbildung, sowie Verdiensteinbußen.

Krauel war bis vor kurzem Vorsitzende des brandenburgischen Landesverbandes, in dem ehemalige DDR-Heimkinder organisiert waren. Dieser habe sich Ende Mai aufgelöst, sagte Krauel. Grund sei gewesen, dass man sich mit dem hessischen Landesverband des Vereins "die ehemals minderjährigen Opfer" nicht über den Umgang mit Entschädigungsforderungen habe einigen können. "Wir sind dafür, realistische Forderungen zu stellen und pragmatisch mit Politikern zusammenzuarbeiten."

Für ehemalige Heimkinder aus den westdeutschen Bundesländern wurde bereits ein 120 Millionen Euro umfassender Fonds eingerichtet.