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Entlassung der Regierung:Abschied von den Liberalen

Finster, gefasst, höflich lächelnd: Für die fünf FDP-Minister der scheidenden Regierung ist die Entlassung im Schloss Bellevue ein bitterer Tag. Es ist ein Abschied vom Amt - erstmal ohne Rückkehr. Doch der Bundespräsident findet auch tröstende Worte für die Liberalen.

Das Ende, das keines ist, dauert sieben Minuten. Eine kurze Rede, die Urkunden, Foto - vorbei. Um 17.07 Uhr am Dienstag ist die schwarz-gelbe Regierung entlassen. Und bleibt doch geschäftsführend im Amt, bis es eine neue gibt. Das kann noch ein bisschen dauern.

Fünf FDP-Minister gehörten dieser Regierung an. Philipp Rösler schaut zu Beginn der Zeremonie ernst, fast finster, tauscht nur mit der Kanzlerin ein kurzes, höfliches Lächeln aus. Guido Westerwelle guckt wie immer, nur Daniel Bahr ist zu Scherzen aufgelegt und kichert mit Kristina Schröder, dem einzigen Kabinettsmitglied der Union, von dem man jetzt schon weiß, das es nicht mehr wiederkommt. Dirk Niebel wirkt unbeteiligt, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger lächelt gefasst. Sie kennt das Procedere schon, schließlich ist sie schon einmal freiwillig gegangen.

Der Wille des Wählers habe das Gesicht des Parlaments und dessen Mehrheiten verändert, sagt Joachim Gauck. Dieses Kabinett habe in schwierigen Zeiten regiert, so der Bundespräsident. Er nennt die Euro-Krise und lobt die von dieser Regierung geübte Solidarität. Er nennt das Erdbeben in Japan, das in Deutschland zur Energiewende geführt habe. Und er nennt den arabischen Frühling, der auch zu Verwerfungen geführt habe.

Ein Abschied aus hohen Ämtern könne schmerzhaft sein, so lautet der Satz, mit dem Gauck zu den liberalen Ministern überleitet. Das Wahlergebnis sei bitter für die FDP und auch ein Einschnitt in der Geschichte der Bundesrepublik. Er wolle die FDP aber ermutigen, sich weiter "im liberalen Geist" einzubringen. Mit Philipp Rösler entlässt Gauck an diesem Tag auch den Liberalen, ohne den er gar nicht im Amt wäre. Denn es war Rösler, der nach dem Rücktritt von Christian Wulff gegen den Widerstand Angela Merkels den Pfarrer aus Rostock durchsetzte.

Die erste Urkunde, die Gauck verliest, ist freilich die, mit der die Kanzlerin entlassen wird. Dank und Anerkennung werden darin ausgesprochen. Das steht in allen Urkunden. Angela Merkel kann diese Entlassung nicht nur kalt lassen, weil sie gute Chancen hat, bald wieder ernannt zu werden, sondern auch, weil seit dem Vormittag im Kanzleramt bereits ein Brief des Präsidenten vorliegt, mit der Bitte, auch bis dahin die Regierungsgeschäfte weiterzuführen. Macht sie sicher gerne.