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Enthüllungsbuch über US-Politikerin:Palins angebliche Patzer

Kokain-Konsum und eine außereheliche Affäre: Ein Buch mit angeblichen Enthüllungen über Sarah Palin sorgt in den USA noch vor Erscheinen für Schlagzeilen. Allerdings verrät das Werk offenbar mehr über den Autor als über die Tea Party-Ikone.

Tritt sie an oder traut sie sich doch nicht? Der Washingtoner Polit-Betrieb wartet seit Wochen darauf, dass Sarah Palin endlich bekannt gibt, ob sie doch noch in das Rennen um das Weiße Haus einsteigt und Mitt Romney, Rick Perry und Michelle Bachmann Konkurrenz macht. Die frühere Vizepräsidentschaftskandidatin der Republikaner und einstige Ikone der Tea-Party-Bewegung sorgt bei Medien und Menschen rund um den Globus entweder für Begeisterung oder für Entsetzen.

Dementsprechend begierig wird die Veröffentlichung des Buches "The Rogue: Searching for the Real Sarah Palin" (auf deutsch etwa "Die Schurkin: Auf der Suche nach der echten Sarah Palin") von James McGinniss erwartet: Der Journalist war extra nach Wasila gezogen, um in Alaska Tür an Tür mit Sarah Palin und ihrer Familie zu wohnen. Palin beschwerte sich bei ihrem Haussender Fox über den neuen Nachbarn, der sogar Morddrohungen erhielt.

Eigentlich kommt das Buch erst am 20. September in die Läden, doch ein Vorabdruck im Klatschmagazin The National Enquirer sorgt für Aufmerksamkeit. Angeblich, so bilanziert der Guardian die wichtigsten Erkenntnisse, hatte Sarah Palin eine Affäre mit einem langjährigen Geschäftspartner ihres Ehemanns und konsumierte Marihuana und Kokain. Sie soll dabei gesehen worden sein, wie sie das weiße Pulver während eines Ausflugs mit Freunden von einem Kanister schnupfte.

In Kalifornien beschäftigen sich Blogs wie Fishball L.A. besonders mit der Nachricht, Palin habe 1987, in ihrer Zeit als Sportreporterin für den TV-Sender KTUU, eine Affäre mit dem Basketballspieler Glen Rice gehabt, der einst für die Los Angeles Lakers spielte.

Die ausführliche Rezension der New York Times kommt jedoch zu einem eindeutigen Ergebnis: Fast alles, was in "The Rogue" stehe, sei läppisch, veraltet und für jeden verfügbar, der Zugang zum Internet habe. Die meisten Vorwürfe seien längst bekannt und hätten bereits vor der Präsidentschaftswahl im November 2008 für Schlagzeilen gesorgt.

Dies gilt etwa für den "Troopergate"-Skandal: Palin war vorgeworfen worden, den Polizeichef von Anchorage aus persönlichen Gründen entlassen zu haben. Dieser hatte sich geweigert, den ehemaligen Schwager Palins zu entlassen, obwohl ihn die Gouverneurin mehrmals dazu aufgefordert hatte.

Gerüchte und Tratsch

Die New York Times-Journalistin Janet Maslin klagt, McGinniss verbreite Gerüchte und Tratsch über Familie Palin, als deren Quelle er lediglich "einen Freund" oder einen "Bewohner" nenne. Dass sich einige der Klatschgeschichten widersprechen, stört ihn nicht: Einerseits schreibt er über den vermeintlichen One-Night-Stand mit dem farbigen Basketballspieler, andererseits bezeichnet er Palin als rassistisch.

Der 1942 geborene Autor Joe McGinniss ist eine umstrittene Figur: 1969 wurde er mit einem Buch über den Nixon-Wahlsieg berühmt, doch zuletzt war ihm wiederholt vorgeworfen worden, schlampig recherchiert und von anderen Autoren abgeschrieben zu haben.

Nur in einer Frage trifft McGinniss laut New York Times den Nagel wirklich auf den Kopf: Dem Palin-Clan gelingt es meisterhaft, die mediale Aufmerksamkeit zu nutzen, um damit Geld zu verdienen. Dass sich die einzelnen Familienmitglieder widersprechen, sei dem Geschäft nicht schädlich.

Doch auch der Journalist versteht dieses Geschäft: Medienwirksam inszenierte er seinen Umzug nach Wasila, schrieb einen "Rogue Blog" und zitiert im Buch aus den hasserfüllten Emails der Palin-Verehrer. Nun streut er die vermeintlichen Enthüllungen, die dem wirtschaftlichen Erfolg des 320 Seiten starken Buches sicher nicht schaden werden.

Allerdings wird wohl kein Leser nach der Lektüre von "The Rogue" sein Urteil über Sarah Palin ändern - und ihre Entscheidung, ob sie in den Kampf ums Weiße Haus einsteigt, wird das Buch auch nicht beeinflussen.

© sueddeutsche.de/mati/aho
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