Süddeutsche Zeitung

Enthüllungen über Chinas Elite:Peking reagiert gereizt auf Offshore-Leaks-Berichte

Warum sollte sich ein Unschuldiger verteidigen? Chinas Regierung sieht keine Notwendigkeit, auf kritische Fragen zum Vermögen der Herrscherfamilien zu antworten.

Was machen die Verwandten der chinesischen Elite mit ihren Briefkastenfirmen in Steueroasen? Die Süddeutsche Zeitung und ihre Partnermedien haben im Zuge der Offshore-Leaks-Recherchen die Betroffenen kontaktiert und nachgefragt - ohne eine Antwort zu bekommen. Auf einer Pressekonferenz in Peking hakten internationale Korrespondenten nun nach.

Der Sprecher von Chinas Außenministerium, Qin Gang, spielte die Veröffentlichung herunter. "Aus Lesersicht ist die Logik der Artikel nicht überzeugend", sagte er den anwesenden Journalisten. "Das bringt Menschen dazu, die Absichten hinter ihnen anzuzweifeln."

Die politische Führung müsste sich nicht für die Geschäfte ihrer Familien rechtfertigen. "Die Unschuldigen sind sauber, auch wenn sie sich nicht verteidigen", erklärte der Sprecher laut Medienberichten. Die Schmutzigen seien dagegen schmutzig, auch wenn sie sich verteidigten.

Der Reichtum der chinesischen Elite ist in dem Land ein Tabuthema. Die Führung sieht die extreme wirtschaftliche Ungleichheit als sozialen Zündstoff.

Dringend zensieren und löschen

Die Webseiten der an den Offshore-Leaks-Enthüllungen beteiligten Medien wurden deshalb kurz nach der Veröffentlichung in China blockiert. "Alle Berichte und Inhalte über 'China Offshore-Leaks' sind dringend zu zensieren und zu löschen", gab die zuständige Behörde als Order aus. Während der Pressekonferenz sagte der Sprecher: "Die entsprechenden Behörden verwalten das Internet nach Recht und Gesetz."

Die Süddeutsche Zeitung stellt ihren Artikel über die Geschäfte der sogenannten Prinzlinge auf Chinesisch und als PDF zur Verfügung. Mehr zur Zensur der Offshore-Leaks-Veröffentlichungen in diesem Text.

Die Veröffentlichungen fallen zufällig auf einen kritischen Tag, erläuterte der liberale Historiker und Autor Zhang Lifan der Nachrichtenagentur dpa. Die Offshore-Leaks-Berichte werden "das Ansehen von Präsident Xi Jinping und der Partei schädigen", sagte er. Xi rufe gerade mit Schlagworten zum energischen Kampf gegen die Korruption auf. "Gleichzeitig wird Bürgern der Prozess gemacht wird, die zu einer Offenlegung der Vermögen von Funktionären und ihrer Familien aufgerufen haben." Gemeint ist der Prozessauftakt an diesem Mittwoch gegen den Bürgerrechtler Xu Zhiyong (mehr dazu hier).

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