Enkel des Revolutionsführers:Hoffnungsträger der moderaten Iraner

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Enkel des Revolutionsführers: Ärgernis für Irans Konservative: Hassan Chomeini

Ärgernis für Irans Konservative: Hassan Chomeini

(Foto: AFP)

Hassan Chomeini hat die Hardliner in Iran schon mehrfach verprellt. Doch ihn zu attackieren, ist für die Konservativen schwierig - denn er ist der Enkel des Revolutionsführers.

Von Paul-Anton Krüger, Kairo

Wer in Iran wäre mehr berufen, das Erbe von Revolutionsführer Imam Ayatollah Ruhollah Chomeini zu wahren, als sein Enkel Seyed Hassan Chomeini? In der heiligen Stadt Qom, wo er im Alter von 17 Jahren seine Studien als islamischer Rechtsgelehrter begann, leitet er das Institut zur Sammlung und Veröffentlichung der Werke seines Großvaters. Zugleich ist er Hüter des heiligen Schreins mit den goldenen Kuppeln, in dem der Imam südlich von Teheran begraben liegt; eine der wichtigsten Pilgerstätten der Islamischen Republik.

Nun hat der 43 Jahre alte Kleriker im mittleren Rang eines Hodschatoleslam ankündigen lassen, für den Expertenrat zu kandidieren. Das auf acht Jahre vom Volk gewählte derzeit 88-köpfige Gremium bestimmt Irans Obersten Führer, mithin den Nachfolger Ayatollah Chomeinis an der Spitze des Staates und letztgültige Autorität in allen wichtigen politischen Fragen.

Sympathie für Gegner Ahmadinedschads

Für die Hardliner in Teheran ist die Kandidatur gleich in mehrerlei Hinsicht ein Ärgernis. Sie nehmen für ihren ultrakonservativen Kurs gerne in Anspruch, Chomeinis Revolution vor Unterwanderung bewahren und ihre religiöse Reinheit gegen schädliche Einflüsse aus dem Westen verteidigen zu müssen.

Hassan Chomeini dagegen hat öffentlich gesagt, die Natur der Revolution werde missverstanden. Im August fügte er hinzu, er stehe in der Pflicht seines Großvaters - was als erstes Anzeichen gewertet worden war, dass er ein hohes politisches Amt anstreben könnte.

Hassan Chomeini hatte 2009 nach der umstrittenen Bestätigung von Mahmud Ahmadinedschad als Präsident seine Sympathie für dessen bis heute unter Hausarrest stehende Gegner Mir Hossein Mussawi, Mehdi Karroubi und später auch für die Proteste der Grünen Revolution erkennen lassen. Damit hatte er schon eine rote Linie überschritten. Selbst anzutreten hatte er damals abgelehnt.

Das Dilemma der Konservativen

Ahmadinedschads Amtseinführung entzog er sich durch eine Auslandsreise. Wiederholt hat er die mächtigen Revolutionsgarden kritisiert und sie aufgefordert, sich aus der Politik herauszuhalten. Seine Kandidatur soll abgesprochen sein mit den Ex-Präsidenten Akbar Haschemi Rafsandschani und Mohammed Chatami, die als Strippenzieher hinter dem Sieg des Moderaten Hassan Rohani bei der Präsidentenwahl 2013 gelten.

Hassan Chomeini zu attackieren, ist für Konservative wegen seiner Abstammung schwierig, auch wenn sie schon seine Reden haben niederbrüllen lassen. Sollte der Wächterrat, der alle Bewerber prüft, ihn ausschließen, würde das der Glaubwürdigkeit des Regimes schweren Schaden zufügen.

Zugleich ist Chomeini, Fan des Nationalsports Fußball, beliebt bei der jungen Generation. Er könnte sie animieren, auch bei der zeitgleich am 26. Februar stattfindenden Parlamentswahl abzustimmen. Eine hohe Wahlbeteiligung spielt gegen die Konservativen, die ihre Anhänger eher mobilisieren können - und fürchten, die Mehrheit in der Madschlis, dem Parlament, zu verlieren.

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