Energiewende:Hohes Lehrgeld

Sauberer Energie auf die Sprünge zu helfen war eine gute Idee - aber sie ist zu teuer geworden.

Von Michael Bauchmüller

Mit der Energiewende ist es so ähnlich wie mit einem Hauskauf auf Pump. Jahrelang verschlingen die Darlehen Zins und Tilgung, die Bank verdient kräftig mit. Am Ende aber ist das Darlehen weg - das Haus aber ist immer noch da. So ähnlich ist das mit dem Ökostrom-Ausbau. Klar, so ein Haus kann teurer werden als gedacht, wenn der Architekt Murks macht. Den gab es bei der Energiewende auch, und nicht zu wenig.

Wenn nun für die Ökostrom-Umlage im nächsten Jahr wieder 25 Milliarden Euro fällig werden, dann ist das zum größten Teil Lehrgeld. Der sauberen Energie auf die Sprünge helfen - das war im Grunde eine gute Idee. Nur merkte keiner, wie schnell Wind und Sonne zur günstigen Alternative wurden. Mit dem Ergebnis, dass die Deutschen ihre Energiewende um Milliarden teurer bauten als nötig. Die Kosten dafür müssen die Stromkunden nun bis weit in die zwanziger Jahre abstottern.

Wenn sie dennoch Hoffnung schöpfen können, dann ist dies ein Verdienst der scheidenden Regierungskoalition. Sie unterwarf die Betreiber von Wind- und Sonnenenergie dem Wettbewerb: Gefördert werden nur noch jene Projekte, die den Ökostrom besonders billig erzeugen können. Seither gehen die Fördersätze in den Keller. Sind die teuren Anlagen der ersten Phase erst abbezahlt, dürfte der Ökostrom richtig günstig werden. Das hohe Lehrgeld schmerzt Stromkunden von heute; die von morgen dürfen sich freuen.

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