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Energiewende:Bundestag kippt Verbot von Nachtspeicheröfen

Jahrelang galten sie als Stromfresser und sollten schon ganz abgeschafft werden. Jetzt hat der Bundestag entschieden, dass Nachtspeicherheizungen in Zeiten der Energiewende doch nützlich sein können. Umweltschützer sind empört.

Etwa 1,5 Millionen Nachtspeicherheizungen sollen noch in Deutschlands Häusern und Wohnungen herumstehen. Bislang galten sie als ineffiziente Stromfresser, doch das hat sich nun offenbar geändert. Der Bundestag hat ein noch aus Zeiten der großen Koalition stammendes Verbot für die lange verpönten Nachtspeicheröfen gekippt. Damit dürfen die Öfen auch über das Jahr 2019 hinaus betrieben werden.

Die Geräte verbrauchen in der Nacht Strom und speichern die so erzeugte Wärme für einige Zeit. So sparten früher nicht nur die Verbraucher wegen günstigerer Stromtarife. Auch die Stromversorger profitierten davon: Sie konnten ihre Kraftwerke relativ gleichmäßig und planbar betreiben.

Nachtspeicheröfen keine Lösung, sagt Greenpeace

Neuerdings gelten die Nachtspeicherheizungen als flexible Stromspeicher. In Zeiten der Energiewende sollen Verbraucher mit ihnen besser auf das schwankende Ökostromangebot reagieren können, heißt es bei den großen Stromkonzernen. Die Unionsfraktion begrüßte die Novellierung des Energieeinspargesetzes (EnEG). "Stromspeicherheizungen können eine tragende Rolle übernehmen, um überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energiequellen einer sinnvollen Nutzung zuzuführen", heißt es in einer Mitteilung. Stromspeicherheizungen seien ein Teil der Lösung für den geplanten Umbau der Energieversorgung.

Kritik an der Entscheidung kam von Umweltschützern. Greenpeace kritisierte die Entscheidung des Bundestags als "Pointe in der verfehlten Klimapolitik" von Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU).

Laut Greenpeace stoßen Nachtspeicherheizungen dreimal mehr Klimagase aus als Gas-Brennwertkessel und zehnmal mehr als Holzpelletheizungen. "Die Rechtfertigung von Nachtspeicherheizungen als notwendige Speichertechnologien für die Energiewende ist eine Farce", sagte Energie-Experte Andree Böhling von Greenpeace. Das vernünftigste Pendant zu Wind- und Solarstrom seien nicht Nachtspeicheröfen, sondern regelbare und flexible Gaskraftwerke.

© Süddeutsche.de/dpa/jasch
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