Die Erklärungen des Kanzlers zu Iran waren dieser Tage deutlich: „Solange der Krieg andauert, werden wir uns daran nicht beteiligen“, sagte Friedrich Merz zuletzt am Mittwoch. Das klingt einerseits beruhigend, nachdem Donald Trump versucht hatte, Europa mit in den Konflikt zu ziehen. Andererseits aber auch nicht.
Denn natürlich steckt Europa mittendrin in den Verwicklungen und Folgen des Krieges, der längst ein Nahostkrieg ist, manche sagen: ein Energiekrieg. Da muss man nur mal einen Blick auf den Benzinpreis werfen. Oder man schaut, wie der Gaspreis nach oben geschossen ist, nachdem Israel den iranischen Teil des größten Gasfelds der Welt angegriffen hat. Beim EU-Gipfel gestern war Iran deshalb natürlich das Hauptthema – neben Viktor Orbán, der weiterhin die Hilfen für die Ukraine blockiert.
Die deutschen Themen gehen in dem Getöse beinahe unter. Dabei sind doch am Sonntag schon wieder Wahlen – und überall Duelle. Etwa bei den Stichwahlen in vielen bayerischen Kommunen, unter anderem in München. Dort muss der bisherige Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) rote Rosen verteilen, um nicht dem Herausforderer der Grünen zu unterliegen: Dominik Krause, 35. Der trägt auf Wahlplakaten jetzt Krawatte – dass er von den Grünen ist, erkennt man nur noch an einer Sonnenblume ganz klein unten in der Ecke der Plakate.
Und da ist auch noch die Wahl in Rheinland-Pfalz. Deren Kandidaten-Duell ist bislang unter der Aufmerksamkeitsschwelle weiter Teile der Republik geblieben. Alexander Schweitzer, SPD, und Gordon Schnieder, CDU, liegen laut Umfragen Kopf an Kopf. „Als Charismatiker sind sie beide nicht verschrien“, stellt meine Kollegin Katharina Riehl fest. Doch das macht nichts, findet sie. „Nach dem Motto: Glücklich das Land, das keinen charismatischen Anführer braucht.“
Was heute wichtig ist
Was Angriffe auf die Gasfelder in Iran und Katar für die Weltwirtschaft bedeuten. Das iranische Gas wird zur Lagerung von Erdöl genutzt, der katarische Industriekomplex Ras Laffan stellt fast 20 Prozent des globalen Angebots für Flüssigerdgas, kurz LNG, her. Die Produktionskapazitäten sind bedroht. Es drohen weltweit steigende Inflationsraten, Strompreise, Lebensmittelpreise. Der Überblick. Zum Artikel
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Könnte Libanon gegen die Hisbollah gewinnen? Teile der libanesischen Armee wollen gegen die Hisbollah im eigenen Land kämpfen, immer mehr Libanesen wünschen sich das. Andere warnen vor einem Bürgerkrieg. Die Miliz hat sich im Iran-Krieg an die Seite des Mullah-Regimes in Teheran gestellt, Israel reagiert darauf mit brutalen Bombardements. Zum Artikel
EXKLUSIV Auslandsgeheimdienst BND: Sprung ins Cyberzeitalter. Der Bundesnachrichtendienst möchte ein neues Cyberspionage-Zentrum einrichten – fernab der Zentrale in Berlin, nämlich in Bonn. Manche sprechen schon von einer „deutschen Mini-NSA“, in Anspielung auf den US-Geheimdienst. Der Aufbau des neuen Technologiezentrums ist nicht unumstritten. Zum Artikel
Münchner OB Reiter muss um Wiederwahl bangen. Für Dieter Reiter war klar, dass allein sein Name für den Wahlsieg reicht. Doch dann kam heraus, dass Reiter 90 000 Euro für eine nicht genehmigte Nebentätigkeit im Verwaltungsbeirat des FC Bayern seit Ende 2021 erhalten hat. Nun muss Reiter kämpfen, die Regierung Oberbayern prüft die Aufnahme eines Disziplinarverfahrens. Am Sonntag findet die Stichwahl statt. Zum Artikel
Studie untersucht Zusammenhang zwischen Ehegattensplitting und Geburtenrate Seit Jahrzehnten wird über eine Reform des Ehegattensplittings gestritten. Eine neue Studie kommt zu dem Ergebnis, dass es mehr Kinder geben könnte, wenn die Steuererleichterungen nicht an die Ehe, sondern an Kinder geknüpft wären. Zum Artikel
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Dossier Digitalwende: Medizinregistergesetz greift für Forschende zu kurz. Die Bundesregierung will Gesundheitsdaten künftig stärker verknüpfen – doch der Gesetzentwurf bleibt nach Ansicht der Forschung zu eng gefasst. Ohne eine übergreifende, einheitliche Identifikationslösung droht das Potenzial vernetzter Gesundheitsdaten ungenutzt zu bleiben. Zum Briefing
Dossier Geoökonomie: So geht ein deutsches Chemiewerk mit der Gaskrise um. Der Iran-Krieg macht Erdgas teuer. Das treibt für Deutschlands größten Stickstoffhersteller SKW Piesteritz die Kosten hoch – dabei werden dessen Produkte von der Landwirtschaft gerade jetzt im März dringend als Dünger gebraucht. Das Unternehmen fordert den Abschluss von mehr langfristigen Lieferverträgen für mehr Preissicherheit in Deutschland. Zum Briefing

