bedeckt München 18°

Endlager-Kommission:Neue Herausforderung

Zu viele Fragen sind offen: Deshalb mehren sich in der Kommission die Zweifel am eigenen Zeitplan. Nun soll sie auch untersuchen, ob mit dem heißen Castor-Müll auch Fässer aus dem Schacht Asse gelagert werden können.

Von Michael Bauchmüller, Berlin

In der Endlager-Kommission mehren sich die Zweifel am eigenen Zeitplan. Angesichts der vielen offenen Fragen sei es vorstellbar, "dass der Kommissionsbericht nur ein Zwischenbericht ist", sagte der SPD-Umweltpolitiker Matthias Miersch bei einer Sitzung der Kommission am Montag. Das Gesetz zur neuen Endlagersuche, auf dessen Basis die Kommission tagt, sieht einen Bericht bis zum 30. Juni 2016 vor. Angesichts vieler offener Fragen sei denkbar, dass die Kommission danach "in der einen oder anderen Form weitergeht", so Miersch. Vertreter der Linkspartei und von Umweltgruppen äußerten sich ähnlich. Der Zeitplan sei "nicht mehr einzuhalten", sagte Klaus Brunsmeier, der den Umweltverband BUND vertritt.

Hintergrund ist die jüngst vorgelegte Atommüll-Bilanz des Bundes, die möglicherweise auch die Pläne für das Endlager ändert. Die Kommission soll nun auch untersuchen, ob neben dem heißen Castor-Müll auch jene Atommüll-Fässer dort Platz finden, die aus der maroden Schachtanlage Asse II geborgen werden sollen. Auch Rückstände aus der Urananreicherung, die lange nicht als Atommüll galten, müssen womöglich in dem neuen Endlager unterkommen. Die zuständige Arbeitsgruppe der Kommission hatte ein solches "Kombi-Endlager" zunächst abgelehnt und damit harsche Kritik des Umweltministeriums auf sich gezogen. Sie warnten vor allem neben zusätzlichen Gefahren durch die gemeinsame Lagerung von Castoren und Asse-Abfällen. Allerdings ist bis heute noch nicht klar, was genau in den 125 000 Asse-Fässern lagert. Viele Fragen ließen sich auf die Schnelle nicht beantworten, sagte auch Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne). "Vielleicht braucht man sogar einen dritten Ort." Sprich: ein drittes Endlager, neben dem im Bau befindlichen Schacht Konrad und dem noch zu suchenden Castor-Endlager.

Die Kommissions-Wissenschaftler wollen nun zunächst Kriterien für ein solches Castor-Lager aufstellen - und in einem gesonderten Kapitel der Frage nachgehen, unter welchen Bedingungen sich die anderen Abfälle damit vertrügen. Ein halbes Jahr lässt der Zeitplan noch - dann, kurz vor Ostern, soll der Entwurf des Schlussberichts stehen.

© SZ vom 15.09.2015
Zur SZ-Startseite