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Emmanuel Macron:Der Weltenvermittler

Ist das Treffen mit Putin naiv, mutig oder machtbewusst?

Emmanuel Macron merkt man selten an, dass er der jüngste Präsident ist, den Frankreichs Fünfte Republik je hatte. Obwohl er erst 41 Jahre alt ist, gestaltet er das Amt mit traditionsverliebtem Pathos. Und doch hat mit ihm für Frankreich eine neue Ära begonnen. Seine Jugend zeigt sich nicht in Fragen des Stils, sie zeigt sich in Fragen des politischen Selbstbewusstseins.

Ob im Umgang mit der kolonialen Vergangenheit Frankreichs, beim Aufeinandertreffen mit US-Präsident Donald Trump oder wie an diesem Montag beim Besuch von Russlands Präsident Wladimir Putin: Macron gibt sich ideologisch ungebunden. Er wurde von einem Europa geprägt, das Weltkriege, Kolonialismus und den Kalten Krieg hinter sich gelassen hatte. In seiner Weltsicht gibt es wenige unüberbrückbare Differenzen, sondern letztlich immer die Möglichkeit, Probleme auszudiskutieren. Manchmal wirkt das unbedarft, manchmal mutig, manchmal übertrieben machtbewusst.

Entscheidend muss für die Bewertung am Ende sein, wer davon profitiert, dass Macron sich die Rolle des Weltenvermittlers spielend zutraut. Im Fall Russlands bedeutet das: Macron kann seine ausführlichen Treffen mit Putin nur dann als Erfolge verbuchen, wenn dadurch wenigstens mittelfristig die Demokratie in Russland gestärkt wird.