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Homeschooling und Kinderbetreuung:Mütter schulterten in der Corona-Krise die Hauptlast

Mütter in der Corona-Krise

Sehr viele Frauen haben in der Corona-Krise ihre Kinder weitgehend allein betreut.

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Während des Lockdowns betreuten fast ein Drittel der Frauen ihre Kinder allein - sogar bei gleicher beruflicher Belastung. Das zeigt eine aktuelle Studie. Viele Schüler waren aber auch weitgehend sich selbst überlassen.

Von Edeltraud Rattenhuber

Dass in der Corona-Krise Kitas und Schulen dichtmachten und die Kinderbetreuung komplett wegfiel, ging laut einer aktuellen Studie vor allem zu Lasten der Frauen. Denn auch bei gleicher beruflicher Beanspruchung betreuten fast ein Drittel der Mütter ihre Kinder in dieser Zeit allein.

Bei Vätern lag die Zahl der Alleinbetreuenden bei höchstens neun Prozent, stellt das Nationale Bildungspanel (NEPS) fest. Meist betreuten sie gemeinsam mit der Mutter oder unterstützt von Dritten, zum Beispiel Großeltern.

Die Auswertung des NEPS, der größten Bildungsumfrage Deutschlands, ist die erste, die das in solcher Deutlichkeit konstatiert. Zwar gab es bereits andere Studien zum Thema Familien und ihre Belastungen in der Corona-Pandemie. Deren Ergebnisse wiesen auch bereits in diese Richtung. Doch beruhten sie meist auf freiwilligen Online-Befragungen.

Das NEPS dagegen, das am Leibniz-Institut für Bildungsverläufe (LIfBi) in Bamberg beheimatet ist, besteht aus sechs großen Teilstudien. Diese umfassen mehr als 60 000 getestete und befragte Personen von der Geburt über Ausbildungs- und Erwerbsphase bis hinein in die Nacherwerbsphase sowie 40 000 zusätzlich befragte Personen aus deren Umfeld. Die Stichproben werden repräsentativ für ganz Deutschland gezogen.

Zwischen 15. Mai und 22. Juni 2020 wurden Corona-bedingt Zusatzbefragungen in drei Gruppen durchgeführt: in Familien mit mindestens einem etwa 14-jährigen Schulkind, in Familien mit mindestens einem Kind unter 14 und in Familien mit mindestens einem hochgebildeten Elternteil und mindestens einem Kind unter 14.

In allen drei betrachteten Gruppen waren es vor allem die Mütter, die ihre Kinder zuhause allein betreuten (bis zu 33 Prozent). Väter dagegen betreuten nur selten allein (zwischen vier und neun Prozent). Bei Vätern mit Hochschulabschluss lag der Anteil mit neun Prozent am höchsten.

Warum das so ist, erklärt Studienleiterin Gundula Zoch mit bestimmten beruflichen Mustern, die an jene Zeit erinnern, in der Frauen vor allem auf die Hausfrauenrolle abonniert waren. "Frauen fällt es offenbar im beruflichen Kontext leichter, Verständnis dafür zu schaffen, dass sie Zeit für die Kinder benötigen", sagt Zoch.

Den Löwenanteil der Kinderbetreuung hätten viele auch dann übernommen, wenn sie beruflich ähnlich engagiert seien wie ihr Mann. So habe man festgestellt, dass Frauen in viel stärkerem Maße Arbeitszeit reduziert hätten als die Väter, zum Beispiel über Überstundenabbau oder Beurlaubung. Arbeitszeitreduzierung bei Vätern dagegen sei in erster Linie auf Kurzarbeit zurückzuführen gewesen.

"Vielleicht könnten Männer das stärker einfordern"

Dass Männer nicht häufiger Arbeitszeit reduziert hätten, könnte den Grund haben, dass eine solche Möglichkeit Männern im Betrieb nicht in ausreichendem Maße eingeräumt werde, sagt Zoch. "Wir wissen ja nicht, wie der Arbeitgeber tickt."

Andererseits könne man aber auch nicht ausschließen, dass viele hier zu zaghaft vorgingen. "Vielleicht könnten Männer das stärker einfordern, als sie das tun", meint die Soziologin. Konnten allerdings beide Elternteile im Homeoffice arbeiten, trug zwar immer noch die Mutter die Betreuungs-Hauptlast, doch reduzierte sich die Wahrscheinlichkeit stark, dass sie alleine betreute.

Ein laut Studienleiterin Zoch "überraschendes" Ergebnis der NEPS-Zusatzbefragungen war zudem, dass fast jedes dritte Schulkind um die 14 Jahre während der Schulschließung überwiegend auf sich selbst aufpassen musste. Ob die Jugendlichen am Abend dann von den Eltern unterstützt wurden, geht aus der Studie nicht hervor. Sicher sei jedenfalls durch die Befragungen, dass knapp ein Drittel der Eltern betonten, sie hätten ihre Kinder im Homeschooling nicht unterstützen können.

© SZ vom 14.10.2020/gal
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