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Deutschlandtreffen in Hannover:Schlesier-Chef fordert Entschuldigung von Polen

Revanchistische Töne auf dem Deutschlandtreffen der Schlesier: Der Bundesvorsitzende Pawelka spricht von einer polnischen Beteiligung am Holocaust der Nazis - es ist nicht das erste Mal, dass Pawelka Irritationen auslöst. Im Vorfeld des Treffens sorgte der Schlesische Jugendverband für Wirbel.

Versöhnliche und harsche Töne auf dem Deutschlandtreffen der Schlesier: Während Politiker die Vertriebenen am Wochenende in Hannover als Brückenbauer zwischen Deutschland und Polen lobten, hat der Schlesier-Bundesvorsitzende Rudi Pawelka von Tschechien und Polen am Sonntag eine Entschuldigung für die Vertreibung Deutscher am Ende des Zweiten Weltkriegs verlangt.

Deutschlandtreffen der Schlesier

Besucher in schlesischer Tracht auf dem Deutschlandtreffen in Hannover: Der Bundesvorsitzende Pawelka sorgt immer wieder mit revanchistischen Tönen bei seinen Reden für Wirbel.

(Foto: dpa)

Als Pawelka über eine polnische Beteiligung am Holocaust der Nazis sprach, verließ McAllister den Saal. Dem Eindruck eines Eklats will die Staatskanzlei entgegenwirken: Später lässt sie mitteilen, der Ministerpräsident habe die Veranstaltung wegen eines Anschlusstermins verlassen müssen. Pawelka war der Hauptredner des Treffens. Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2000 hat der Vertriebenen-Funktionär immer wieder mit revanchistischen Äußerungen für Streit gesorgt. Der bisherige niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff hatte das Schlesiertreffen stets vor Pawelkas Rede verlassen.

Zwar betonte Pawelka an diesem Sonntag in seiner Rede die deutsche Schuld: "Wir haben große Schuld auf uns geladen und dafür müssen wir auch gerade stehen", sagte er. Dann aber forderte er, dass nicht nur hochbetagte Nazi-Verbrecher, sondern auch Verantwortliche für den massenhaften Tod deutscher Gefangener nach dem Zweiten Weltkrieg heute noch vor Gericht gestellt werden sollten. Nach den Verbrechen Hitlers sei es zu Verbrechen an den Vertriebenen gekommen, führte er weiter aus. In der Messehalle in Hannover gab es dafür großen Beifall.

Seit Jahren zieht das Schlesiertreffen mehrere zehntausend Besucher nach Hannover, an diesem Sonntag sind es nach Veranstalterangaben etwa 50.000. Unter Schildern mit den Namen ihrer ehemaligen Heimatstädte im Osten treffen sie sich in einer Messehalle. Neben schlesischen Spezialitäten gibt es Bücher und alte Ansichtskarten zu der verlorenen Heimat.

Zwar dürften für die meisten Besucher Musik- und Trachtenaufführungen im Mittelpunkt stehen. Doch seit Jahren löst das Treffen auch Streit aus wegen revanchistischer Tendenzen. Für Politiker ist ein Auftritt als Redner oft eine Gratwanderung. McAllisters Amtsvorgänger Christian Wulff hatte für seinen Auftritt stets zur Bedingung gemacht, dass rechte Umtriebe und Schriften von dem Treffen verbannt werden.

Auch vor dem Treffen an diesem Sonntag, das unter dem Motto "Für Schlesiens Zukunft" steht, hatte es Ärger gegeben: Es ging um eine Unterwanderung der "Schlesischen Jugend" (SJ) durch Neonazis. Nach Erkenntnissen des Thüringer Verfassungsschutzes werde unter dem Deckmantel eines Vertriebenenverbands die SJ-Thüringen von "aktiven Rechtsextremisten" missbraucht.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hatte aus diesem Grunde auch eine Stellungnahme der Landsmannschaft gefordert. Die Schlesier trennten sich daraufhin bereits im April von dem Jugendverband. An diesem Sonntag aber war er außerhalb der Messehallen trotzdem mit einem kleinen Stand vertreten. Auch das rechtsextreme Wochenblatt "Der Schlesier" wurde verteilt.

McAllister: Vertreibung der Deutschen war Unrecht

Niedersachsens Ministerpräsident McAllister bezeichnete in seiner Rede die Vertreibung der Deutschen aus dem Osten am Ende des Zweiten Weltkriegs als Verstoß gegen das Völkerrecht: "Die Vertreibung der Deutschen aus dem Osten war Unrecht." Allerdings müsse die Vertreibung im Licht des von Deutschland geführten Krieges gesehen werden. "In deutschem Namen wurden Millionen Unschuldiger ermordet." Gleichzeitig mahnte er eine "Erinnerungs- und Gedenkkultur" an, die "nicht nur eine Aufrechnung geschehenen Unrechts in den Blick nimmt".

McAllister lobte wie sein Innenminister Uwe Schünemann (CDU) den enormen Beitrag der Vertriebenen beim Wiederaufbau nach dem Krieg. Den 700.000 Schlesiern, die nach dem Krieg nach Niedersachsen kamen, habe das Land viel zu verdanken, so der Ministerpräsident.

© sueddeutsche.de/dpa, Michael Evers/hai
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