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Eisenerzmine:Sie finden nur Tote

Der neue Präsident Brasiliens, Jair Bolsonaro, will die Umweltstandards lockern, um die Wirtschaft seines Landes aus ihrer schweren Krise zu führen.

(Foto: Sergio Lima/AFP)

Die Suche nach Überlebenden im brasilianischen Brumadinho läuft noch, aber die Hoffnung schwindet von Stunde zu Stunde.

Drei Tage nach dem verheerenden Staudammbruch in der brasilianischen Eisenerzmine Feijão suchten Rettungskräfte am Montag weiter nach Überlebenden. Aber wo sie auch suchten in dem roten Klärschlamm, sie fanden nur Tote. 60 Leichen wurden bis Montagmittag (Ortszeit) geborgen, mehr als 300 Menschen galten da noch als vermisst. Die Zahl der Todesopfer dürfte mit jeder Stunde steigen.

Der Damm eines Abraumbeckens der Mine in der Bergbauregion Minas Gerais war am Freitagmittag gebrochen. Daraufhin ergoss sich eine Schlammlawine über die Anlage sowie die nahegelegene Ortschaft Brumadinho. Alles ging so schnell, dass die Sirenen kaum noch jemanden warnen konnten. Viele Angestellte des Minenbetreibers Vale wurden von der tödlichen Welle beim Mittagessen in der Kantine überrascht. Die brasilianischen Behörden sprechen inzwischen vom "größte Arbeitsunfall in der Geschichte des Landes".

Vale ist Weltmarkführer bei der Eisenerzproduktion. Im Minenkomplex bei Brumadinho baute der Konzern bislang etwa sieben Prozent seines Erzes ab. Nun wurde die Anlage vorläufig stillgelegt. Die brasilianische Justiz verpflichtete Vale dazu, umgerechnet 2,55 Milliarden Euro für etwaige Schadenersatzzahlungen einzufrieren. Zu den ungeklärten Fragen gehört, wie viele Schadstoffe in dem Klärschlamm enthalten sind. Ende 2015 hatten giftige Abwässer nach einem Dammbruch in der Mine von Mariana, ebenfalls in Minas Gerais, einen der artenreichsten Flüsse Brasiliens nachhaltig verseucht.

Umweltschutzverbände weisen seit Jahren auf den fahrlässigen Umgang mit den Erzminen hin. Aber der Umweltschutz steht auf verlorenem Posten in Brasilien, wenn es um Geld geht. Eisenerz gehört neben Soja zu den wichtigsten Exportgütern der Volkswirtschaft. Der ultrarechte Präsident Jair Bolsonaro hat die Wahl im Oktober mit dem Versprechen gewonnen, dass Land auf schnellstem Weg aus seiner schweren Wirtschaftskrise zu führen. Dafür ist eine Ausweitung des Rohstoffexportes, vor allem nach China, unerlässlich. Bolsonaro will Umweltstandards eher lockern als verschärfen. Die Mehrheit der Brasilianer dürfte ihm das - trotz allem - verzeihen, falls es gelingen sollte, die allgemeine Wirtschaftslage spürbar zu verbessern. Doch auch frühere Regierungen stellten im Zweifelsfall das Geschäft über das Gewissen. Der Dammbruch von Mariana ereignete sich unter der linksgerichteten Präsidentin Dilma Rousseff. Bis heute warten viele Betroffene auf eine Entschädigung.

Der Leiter des Nationalen Instituts für Umweltschutz, Julio Grillo, sagte "BBC Brasil", er habe im Dezember bei einer Sitzung des Bergbau-Ausschusses Alarm geschlagen wegen des Sicherheitsrisikos der Minen. Allein in Minas Gerais gebe es mehr als 300 unsichere Staudämme. Die Sitzung endete, laut Grillo, mit beschleunigten Lizenzvergaben zur Ausweitung der Produktion - unter anderem für den Feijão-Komplex bei Brumadinho.

© SZ vom 29.01.2019
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