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Einwanderung in die USA:Faktor Instabilität

Ein Blick auf die Nationen mit den meisten Todesopfern durch Schusswaffen pro Einwohner. Platz 1 - El Salvador. Platz 2 - Honduras. Platz 5 - Belize. Platz 11 - Guatemala. Die Region plagt ein ewiger Kreislauf von Gang-Gewalt, Korruption und Armut.

Seit Ende der Bürgerkriege in Guatemala und El Salvador hat sich die Situation nie stabilisiert; kein Wunder, waren doch jede Menge Waffen in einer Region im Umlauf, die zudem auf der Drogenexport-Route von Südamerika nach Nordamerika liegt und von den mexikanischen Kartellen zu ihrem Hinterhof gemacht wurde.

Die Gewalt geht oft von Gangs aus, darunter die "ML-13" - eine eigentlich in Los Angeles gegründete Gruppe von El Salvadorianern, die durch Abschiebungen aus den USA importiert wurde. Doch auch der Staat bedient sich in der Region der Paramilizen und damit des Rechts des Stärkeren. Die Zeitung El Presa rechnete 2015 aus, dass Menschen in El Salvador, Honduras und Guatemala jährlich 650 Millionen Dollar an Lösegeld für entführte Verwandte und Freunde zahlen.

US-Regierungen versuchten in der Vergangenheit immer wieder, in Zentralamerika Wirtschaftswachstum und staatliche Institutionen zu unterstützen. Seit 2014 hat die Interamerikanische Entwicklungsbank ein Programm aufgelegt, das zudem Investitionen für Bildung und Mini-Firmen enthält. Es ist allerdings stark von der amerikanischen Finanzierung abhängig, die aktuelle Regierung brachte mehrmals Streichungen ins Spiel. Marcela Escobari, ehemaliger Beauftragter für die Region im US-Entwicklungsministerium, warnte bereits: "Du musst dich auf lange Sicht engagieren. Wenn das Engagement unberechenbar ist und die Finanzierung rauf und runter geht, kannst du mehr Schaden als Gutes anrichten."

Dem Erfolg solcher Projekte steht die Tatsache entgegen, dass die politischen und wirtschaftlichen Eliten oft kein Interesse an Strukturen haben, von denen sie womöglich nicht mehr direkt profitieren.

In Honduras könnte bald ein umstrittenes Alternativmodell zu erleben sein: Wirtschaftliche Sonderzonen, die eigene Gesetze, Sicherheitskräfte und Justiz haben und so Investoren anlocken sollen, ohne dass die Regierung die grundsätzliche Instabilität und Ungleichheit im Rest des Landes angehen muss. Wie in Europa werden inzwischen zudem US-Asylzentren auf dem Boden der Länder diskutiert; allerdings ist unklar, welche Asylgründe Washington in der Zukunft überhaupt noch zulassen wird. Häusliche Gewalt und Flucht vor Gangs gehören seit kurzem nicht mehr dazu.

Ganz andere Probleme hat dagegen Mexiko: Teile des Landes sind trotz lokaler Korruption stabil, in anderen Regionen dominieren die mexikanischen Drogenkartelle. Rechnet man die bisherigen Taten hoch, werden Ende 2018 mehr als 30 000 Menschen in einem Jahr in diesem Land ermordet worden sein. Im Drogenkrieg hatten kurzfristige Lösungen wie der Einsatz des Militärs immer langfristige Probleme (hier: Eskalation) zur Folge; das Land hat weiterhin zu wenige, zu schlecht bezahlte Polizisten und ein unzureichendes Rechtssystem.

Inzwischen werden radikale Ideen wie die Legalisierung aller Drogen oder Amnestie für Kartellmitglieder unterer Ränge diskutiert. Fakt ist, dass ohne wirtschaftliche und gesellschaftliche Stabilität die Migration nach Norden weiterhin eine Alternative bleibt.

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