Einwanderung in die USA Der kommende Grenzkonflikt

Eng beisammen: Die Skylines von El Paso, Texas, und Ciudad Juarez, Mexiko, sind kaum zu trennen.

(Foto: AFP)
  • Wie sieht die Zukunft der Grenze zwischen den USA und Mexiko aus?
  • Klimawandel, Instabilität und Militarisierung werden als entscheidende Faktoren darüber mitbestimmen.
Von Johannes Kuhn, Austin

Bevor Donald Trump auf der politischen Bühne auftauchte, war die Grenze zwischen den USA und Mexiko ein Thema von vielen. Nun stilisiert der rechte Flügel der Republikaner ihre Sicherung zur nationalen Priorität. Doch wie sieht die Zukunft dort aus, wo nicht nur zwei Länder aneinandergrenzen, sondern auch das Wohlstandsgefälle zwischen den USA und dem Süden des Kontinents beginnt?

Die Fakten: 3144 Kilometer ist die Grenze lang, sie verläuft von Kalifornien bis nach Texas, vom Pazifik bis zum Golf von Mexiko. Sie zieht sich durch Wüstentäler, zwischen Städten und an Flussufern entlang. Mehr als 300 000 Menschen nahm die US-Grenzpolizei im Jahr 2017 dort in Gewahrsam. Das ist nur ein Fünftel der Zahlen um die Jahrtausendwende, die Migration nimmt im Moment tendenziell ab.

Jedes Jahr schieben die USA mehrere hunderttausend Menschen ab, vor allem nach Mexiko und die Länder des "nördlichen Dreiecks" Zentralamerikas, Guatemala, El Salvador und Honduras. Die Staaten weiter südlich sind stabiler, Landmigration aus Südamerika ist derzeit geografisch durch einen unerschlossenen Dschungel zwischen Panama und Kolumbien ausgeschlossen.

Im Jahr 2015 lebten, Schätzungen zufolge, 3,4 Millionen Menschen in den USA, die in den drei zentralamerikanischen Ländern geboren wurden. 55 Prozent hatten keine Aufenthaltsberechtigung. Zur Jahrtausendwende waren es noch 1,5 Millionen. Viele der undokumentierten Einwanderer arbeiten für einen Bruchteil des regulären Stundenlohns in Branchen wie Bau oder Handwerk.

Wie werden die kommenden Jahrzehnte verlaufen? Die wichtigsten Faktoren im Überblick.

Faktor Klimawandel

Eine Studie aus dem Jahr 2010 sagt vorher, dass sich wegen des Klimawandels im Jahr 2080 bis zu 6,7 Millionen Menschen auf den Weg Richtung Norden gemacht haben werden. Allerdings gibt es auch deutlich geringere Schätzungen. Ohnehin ist schwer zu trennen, ob wirtschaftliche und klimabedingte Migrationsgründe vorliegen.

So zum Beispiel im Jahr 2010, als das "nördliche Dreieck" die größte Trockenperiode seit 30 Jahren erlebte und viele Bauern versuchten, in Richtung USA zu migrieren: Auf den ersten Blick war ihre wirtschaftliche Situation der Anlass, bei genauerer Betrachtung das Extremwetter.

Durch Verschiebung oder Ausbleiben der saisonalen Regenfälle sind gerade in den armen ländlichen Gebieten viele Bauern durch existenzbedrohende Ernteausfälle in Gefahr. Hinzu kommt eine steigende Wahrscheinlichkeit von Großwetter-Ereignissen wie Wirbelstürmen - Honduras war bereits im Zeitraum zwischen 1996 und 2015 das Land, das durch Naturkatastrophen am stärksten getroffen wurde, noch vor Nationen wie Haiti oder Bangladesch.

Aus dem direkten südlichen Nachbarstaat Mexiko kommen derzeit nur wenige Menschen über die amerikanische Grenze. Doch einer Prognose zufolge könnte in den kommenden Jahrzehnten von den bis dahin 140 Millionen Bewohnern jeder zehnte zum Klima-Migranten werden, ob innerhalb des Landes oder in Richtung Norden.

Eine zentrale Rolle kommt Flüssen wie dem Rio Grande oder dem Usumancinta zu, deren Extrem-Zustände aus Überflutung und Trockenheit extremer werden. Gerade der Rio Grande, der zunächst durch die USA fließt, zeigt das Problem fehlender nachbarschaftlicher Zusammenarbeit: Der Bundesstaat New Mexico, den er kreuzt, weigert sich zum Beispiel weiterhin mit Rücksicht auf die eigenen Bauern, die Wasserentnahme zu beschränken.