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Ein Jahr große Koalition:Die SPD ist Merkels natürlicher Koalitionspartner

Germany To Send Arms To Iraqi Kurds, Bundestag Debates

Vielleicht ist Angela Merkel zu schüchtern, die SPD öffentlich zu loben.

(Foto: Getty Images)

Wenn die Bundeskanzlerin gegen die SPD wettert, erweist sie sich als bemerkenswert undankbar. Die Sozialdemokraten sind nicht nur der beste Regierungspartner, den Angela Merkel hat. Sie sind auch ihr einziger.

Angela Merkel ist eine eigenwillige Jubilarin. Vom ersten Geburtstag ihrer zweiten großen Koalition wird vor allem in Erinnerung bleiben, dass die Kanzlerin über ihren aktuellen Regierungspartner wenig Gutes zu sagen hatte und stattdessen würdigte, was gar nicht existiert.

So ließ Merkel bei ihrem Auftritt vor dem CDU-Parteitag jüngst die Regierungsarbeit mit der SPD fast völlig unter das Rednerpult fallen. Lobende Worte fand sie dagegen ausgerechnet für die verblichene schwarz-gelbe Koalition. Und auch der 2013 nach ersten Sondierungen gescheiterten schwarz-grünen Option weinte Merkel noch ein Krokodilstränchen hinterher.

Man kann sich diese nostalgischen Reminiszenzen nur mit Merkels schrägem Humor erklären, wenn man sieht, wo ihre große Koalition nach einem Jahr steht. Die Zufriedenheit der Bürger erreicht jenseits von Pegida konstant hohe Werte. Merkel ist die populärste Politikerin weit und breit.

Nur Frank-Walter Steinmeier reicht in den Umfragen an die Kanzlerin heran, kann ihr aber im richtigen Leben nicht mehr gefährlich werden, nachdem er einmal schon verloren und beim zweiten Mal verzichtet hat. Die Wähler wollten diese Regierung und sie bleiben ihr treu.

In Wahrheit regiert Merkel schon seit neun Jahren mit der SPD

Merkel und die Union regieren um des Regierens willen. Die SPD regiert um ihre Existenzberechtigung. Sie ist fleißig und verlässlich. Es war zwar im ersten Jahr wiederholt Gerumpel zu hören. Meistens waren das aber nur Steine, die Unionspolitikern vom Herzen fielen, weil sie nach dem ewigen Gezerre mit der FDP nun wieder mit den Sozis Kompromisse machen dürfen.

Außerdem setzt die SPD vom Mindestlohn bis zur Frauenquote Ideen durch, die Merkel sich gerne aufzwingen lässt, weil sie am Ende auch ihren Ruhm mehren. Kurzum: Die Kanzlerin sitzt nicht trotz, sondern wegen der großen Koalition derart ungefährdet in ihrem Amt. Gemessen daran, erweist sich Merkel freilich als bemerkenswert undankbar.

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Die überraschendste Pointe in ihrer Kölner Parteitagsrede war die Bezeichnung der FDP als natürlichen Koalitionspartner. Da denkt man unwillkürlich an vier schwarz-gelbe Jahre zurück, die damit endeten, dass Merkel die verzweifelten Liberalen im Bundestagswahlkampf am langen Arm verhungern ließ.