Ein Bild und seine Geschichte Zu Wasser, zu Land und zu Fuß

Mit diesem "Holzlaster" wurde Alkohol Anfang der 1930er Jahre geschmuggelt.

(Foto: SZ Photo)

Die Prohibition in den USA sorgte bis in die 30er Jahre für bizarre Strategien unter Alkohol-Schmugglern. Der "Holztransporter" war nicht ihre einzige Masche.

Von Maximilian Hartung und Oliver Das Gupta
Ein Bild und seine Geschichte

SZ.de zeigt in loser Folge jeweils ein besonderes Foto oder eine besondere Abbildung. Hinter manchen Aufnahmen und Bildern steckt eine konkrete Geschichte, andere stehen exemplarisch für historische Begebenheiten und Zeitumstände. Übersicht der bisher erschienenen Texte

Wie viel Macht hat der US-Kongress gegenüber dem Präsidenten? Diese Frage wird mit Blick auf Donald Trump in diesen Tagen wieder oft gestellt. Ziemlich viel, wenn sich die Parlamentarier einig sind - das zeigt ein Beispiel aus der Historie. Im Dezember vor 100 Jahren beschlossen Repräsentantenhaus und Senat ein Alkoholverbot. Und auch Trumps damaliger Vorgänger Woodrow Wilson konnte die Entwicklung nicht aufhalten - sein Präsidenten-Veto wurde überstimmt.

Am 16. Januar 1920 um zwölf Uhr trat der 18. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten schließlich in Kraft. Darin waren Herstellung, Verkauf und Transport von Alkohol unter Strafe gestellt. Vorausgegangen waren bereits regionale Verbote, die von der 1893 gegründeten "Anti-Saloon League" befeuert wurden.

In Broten und am Strumpfband

Der Wettstreit zwischen Gegnern und Befürwortern, "Drys" vs. "Wets", schien durch den Verfassungszusatz endgültig entschieden. Doch während in den ländlichen Gebieten tatsächlich puritanische Zeiten anbrachen, blühte in Städten wie Chicago und New York der Umsatz mit Hochprozentigem erst richtig auf. Zehntausende Kneipen schenkten Bier und Schnaps illegal aus, betrieben wurden die sogenannten "Speakeasys" meist von Kriminellen und ihren Banden. Entsprechend erfinderisch gestalteten sich bald schon die Tricks der Schmuggler.

Eine ihrer bevorzugten Methoden war der heimliche Transport über das Meer, insbesondere um günstigen Rum aus der Karibik an die Küste Floridas zu schaffen. Hierzu belud man zunächst größere Segelschiffe, die ihre Ware bis an die Grenze der Drei-Meilen-Zone brachten. Von hier aus wurde der Rum nachts auf schnelle, kleinere Boote verladen, oder man füllte das kostbare Nass in torpedoähnliche Schwimmtanks, die mit Hilfe der Gezeiten vor die Küste gespült und dort eingesammelt wurden.

Das letzte Wegstück in die Wohnstuben und Bars wurde meist zu Fuß erledigt. Auch hier erfanden die Kriminellen kuriose Maschen: Elegant um die Hüften geschlungene oder an weibliche Oberschenkel sich anschmiegende Tanks, manchmal steckten Fläschchen in Broten oder waren per Strumpfband an Frauenbeinen befestigt. Aber auch die Ordnungshüter setzten mitunter auf Tarnung - sie versuchten sogar in Frauenkleidern den Mafiosi auf die Schliche zu kommen.

Mit der Zeit wurde die Gewinnspanne bei billigem Rum jedoch immer weniger attraktiv: Die Kartelle waren immer größer geworden und ihr teilweise recht wohlhabendes Klientel entwickelte gehobene Ansprüche. Kanadischer Whisky wurde ein begehrter Stoff. Und so könnte sich auch die Ladung des 1931 entstanden Fotos eines aufwendig umgebauten "Holztransporters" erklären lassen.

Geschichte So wurde in den USA der Alkohol geschmuggelt Bilder
Prohibition

So wurde in den USA der Alkohol geschmuggelt

In Schwimmtanks, Broten und Schweinekadavern: Bizarre Verstecke für Alkohol während der Prohibition in den 1920er und 1930er Jahren.

Während der Lastwagen von der Seite recht gewöhnlich ausgesehen haben mag, stießen die Polizisten bei genauerem Hinsehen auf eine Überraschung: Ein versteckter Laderaum.

Doch der hier zur Schau gestellte Stolz der Ordnungshüter sollte nicht darüber hinwegtäuschen: Das Projekt Prohibition scheiterte. Die Zahl der Alkoholtoten ging zwar zurück, doch die negativen Auswirkungen waren augenscheinlich.

Die Straftaten nahmen drastisch zu und wurden immer brutaler. Verschiedene Mafia-Kartelle wurden reich - und zum Machtfaktor. Dem Staat wiederum entging viel Geld. Die Strafverfolgung war kostspielig und die Einnahmen über die Alkoholsteuer fehlten. Die Trinker ließen sich nicht abschrecken, schließlich war nur der Verkauf, nicht aber der Genuss von Alkohol strafbar.

Der Bierkonsum ging zurück, stattdessen griffen die Amerikaner vermehrt zu Hochprozentigem. Immer wieder vergifteten sich Menschen mit schwarz gebranntem Fusel. Und die Heimkehrer aus dem Ersten Weltkrieg hatten ohnehin wenig Verständnis dafür, dass sie die Erinnerung an die Schlachtfelder nicht mit Alkohol betäuben sollten. Zudem wurden die USA 1929 von der Weltwirtschaftskrise massiv gebeutelt.

Präsident geworden mit Hilfe der Abstinenzler

Zwar sprach sich eine Regierungskommission für die Beibehaltung der Prohibition aus - zumindest vermittelte diesen Eindruck der damalige Präsident Herbert Hoover. Schließlich war er auch mit Hilfe der Abstinenzlerbewegung zu seinem Amt gekommen. Der Regierungschef war allerdings nicht sehr glaubwürdig: Nur zwei der elf Kommissionsmitgliedern waren der Überzeugung, dass sich das Verbot wirklich positiv auswirkt.

Das Alkoholverbot endete schließlich im Dezember 1933, als der 21. Verfassungszusatz in Kraft trat und die Prohibition wieder aufhob. Inzwischen saß mit Franklin D. Roosevelt ein neuer Präsident im Weißen Haus.

Vorgänger Hoover hatte die Wahl haushoch verloren. Er galt schon damals als einer der unbeliebtesten US-Präsidenten aller Zeiten. Natürlich war daran nicht nur der Alkohol schuld. Die Folgen der Wirtschaftskrise hatten ihren Teil beigetragen. Auch das Verhältnis des Wirtschaftsfreundes Hoovers zur Presse hatte sich verschlechtert. Ähnlich wie bei Trump schmälerte dies sein immenses Selbstbewusstsein allerdings nicht im Geringsten.

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