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Parteitag in Köln:Gauland und Weidel führen AfD in die Bundestagswahl

Bei der Wahl zum Spitzenteam setzt sich Frauke Petrys Rivale durch. Die bisher als eher moderat bekannte Alice Weidel zeigt beim Parteitag, dass sie auch anders kann.

Alexander Gauland und Alice Weidel führen die Alternative für Deutschland (AfD) in die Bundestagswahl. Das entschieden die 600 Delegierten auf dem Bundesparteitag in Köln. Knapp 68 Prozent von ihnen stimmten für das Duo.

Parteichefin Frauke Petry hatte schon am Mittwoch über Facebook erklärt, für eine Spitzenkandidatur nicht zur Verfügung zu stehen. Vor Personalfragen müsse die Partei dringende Sachfragen klären, argumentierte sie. Der Parteitag in Köln hat die Sachfragen, auf die Petry anspielte, am Samstag geklärt - allerdings nicht im Sinne der Parteichefin.

Alternative für Deutschland Frauke Petry - die Parteichefin, die keine mehr ist
AfD-Parteitag in Köln

Frauke Petry - die Parteichefin, die keine mehr ist

Die AfD demütigt ihre Vorsitzende auf dem Parteitag in Köln. Als Führungsfigur ist Petry damit erledigt.   Kommentar von Jens Schneider, Köln

Mit einem "Zukunftsantrag" hatte Petry auf dem Parteitag versucht, die AfD auf eine vergleichsweise moderate Linie einzuschwören. Sie wollte die Partei verpflichten, in Zukunft auf schrille, völkische Äußerungen zu verzichten. Bis zur übernächsten, voraussichtlich 2021 stattfindenden Bundestagswahl solle die Partei regierungsfähig werden.

Doch Petry erlitt eine krachende Niederlage. Zuerst wischten die Delegierten ihren Antrag vom Tisch, ohne sich überhaupt mit ihm zu befassen. Dann distanzierte sich ihr Co-Vorsitzender Jörg Meuthen in seiner Rede deutlich von Petry - und bekam dafür stehende Ovationen und tosenden Applaus. Die AfD will Petry nicht mehr folgen - sie ist nun eine Parteichefin ohne Partei. Sie behält ihr Amt aber zunächst, ebenso ist sie Spitzenkandidatin für die AfD in Sachsen. Bleibt es dabei, dürfte sie als Abgeordnete in den Bundestag einziehen.

Gauland bezeichnete früher Pegida als "natürliche Verbündete"

Die Wahl Alexander Gaulands ins Spitzenteam für die Bundestagswahl kann auch als weitere Schwächung Petrys gesehen werden. Der Parteivize steht dem thüringischen Landesvorsitzenden Björn Höcke nahe, der mit Äußerungen, die an die NS-Rhetorik erinnern, immer wieder für Skandale sorgt. 2014 bezeichnete Gauland die fremdenfeindliche Pegida-Bewegung als "natürliche Verbündete" der AfD. 2016 löste der 76-Jährige eine aufgeregte Debatte aus, als er in einem Interview sagte, Menschen wie den Fußballspieler Jérôme Boateng wolle man in Deutschland nicht als Nachbarn haben.

Eine kurze Rede nach seiner Wahl zum Spitzenkandidaten nutzte Alexander Gauland für ein offizielles Versöhnungsangebot an die am Samstag geschmähte Parteichefin. "Liebe Frau Petry, ich weiß, dass Sie gestern einen schweren Tag hatten. Aber wir brauchen Sie in der Partei." Dafür gab es tosenden Applaus, Petry war sichtlich bewegt. Die Auseinandersetzungen innerhalb der AfD sollten nun aufhören, sagte Gauland.

Den zweiten Platz im Spitzenteam erhielt Parteivorstandsmitglied Alice Weidel. Die aus Baden-Württemberg stammende Ökonomin gehört zum wirtschaftsliberalen Flügel der Partei. Ihr Landesverband hatte die 38-Jährige vorgeschlagen, nachdem Petry unter der Woche ihren Verzicht auf die Spitzenkandidatur erklärt hatte. Weidel äußerte sich in der Vergangenheit vornehmlich zu wirtschaftlichen Themen. In Köln aber bewies Weidel, dass sie auch anders kann.

Nach ihrer Wahl zur Spitzenkandidatin sagte sie vom Rednerpult aus, sie empfehle in Deutschland lebenden Türken, die bei der Verfassungsreform für den türkischen Präsidenten Erdoğan gestimmt hätten, die Ausreise. Zudem sagte sie: "Die politische Korrektheit gehört auf den Müllhaufen der Geschichte."

Vor dem Bundesparteitag gab es Berichte darüber, es habe Absprachen bezüglich der Wahl des Spitzenteams gegeben, an denen sowohl Weidel als auch Gauland beteiligt gewesen sein sollen. Parteichefin Petry soll von den Absprachen hingegen ausgeschlossen gewesen sein.

Am Sonntag blieb es ruhig in Köln

Der zweite Tag des Bundesparteitags hatte zuvor vergleichsweise friedlich begonnen, sowohl im Kölner Maritim-Hotel als auch davor. In der Kölner Innenstadt waren am Morgen keine Demonstranten zu sehen, anders als am Samstag, als mehr als zehntausend Menschen auf die Straße gegangen waren und es vereinzelt zu Ausschreitungen gekommen war. Später am Vormittag versammelten sich ein paar Demonstranten auf dem Heumarkt vor dem Maritim-Hotel, doch weite Teile des Platzes blieben leer.

Und auch im Versammlungssaal begann der Parteitag vergleichsweise gemütlich. Nachdem der Samstagvormittag im Zeichen der Demontage der Parteivorsitzenden Frauke Petry gestanden hatte, dominierte nun die Debatte über das Wahlprogramm, das die Delegierten schließlich beschlossen. Darin fordert die AfD unter anderem, die Zuwanderung nach Deutschland drastisch einzuschränken und sich vom Euro abzuwenden. Zudem heißt es in dem Programm, dass der Islam nicht zu Deutschland gehöre.

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Das war schon ein spezielles Spektakel, wie sich die AfD in Köln gegen die Demonstranten da draußen zusammenrottet und gleichzeitig drinnen die eigene Parteivorsitzende kaltstellt.   Von Jens Schneider