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Ehud Olmert unter Korruptionsverdacht:Erst die Feier, dann der Rücktritt?

Die Korruptionsgerüchte um den israelischen Premier Ehud Olmert bekommen neue Nahrung. US-Präsident Bush spricht schon ungeniert von möglichen Nachfolge-Kandidaten.

Wenn Israel am morgigen Tag seine Staatsgründung vom 14. Mai 1948 feiert, wird ein breiter Schatten die Freude schmälern. Ministerpräsident Ehud Olmert steht seit Wochen zum wiederholten Male im Verdacht, gegen Gesetze verstoßen zu haben.

Sichtlich mitgenommen: Israels Premier Ehud Olmert

(Foto: Foto: AFP)

Es ist nicht das erste Mal, dass der konservative Politiker ins Zwielicht geraten ist. Vier Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Korruption und Begünstigung hat Olmert bislang überstanden, doch die laufende Causa ist anders. "Diesmal ist es wirklich ernst", sagt auch Avi Primor, der ehemalige Botschafter Israels in Deutschland, zu sueddeutsche.de.

Die jüngste Entwicklung scheint Primor recht zu geben. Ungeachtet der Feierlichkeiten zum Staatsjubiläum wühlen die Ermittler weiter auf der Suche nach Belastungsmaterial gegen den Premier.

Am Montag erst durchsuchte die Polizei das Rathaus von Jerusalem und beschlagnahmte mehrere Dokumente. Heute statteten die Ermittler dem Industrie- und Handelsministerium einen ähnlichen Besuch ab - Olmert leitete es von es von 2003 bis 2006. Zuvor war er Jerusalemer Bürgermeister.

Der Kadima-Politiker wird verdächtigt, rechtswidrig hohe Bargeldbeträge von einem amerikanisch-jüdischen Spender angenommen zu haben. Ein Teil des Geldes soll während der zehnjährigen Amtszeit Olmerts als Bürgermeister von Jerusalem geflossen sein. Danach wechselte das damalige Likud-Mitglied in die Regierung.

Für Olmert scheint es richtig eng zu werden: Der Zeitung Jediot Ahronot zufolge liegen detaillierte Verdachtsmomente vor. Demnach soll Olmert in seiner Amtszeit als Jerusalemer Oberbürgermeister Freunde des amerikanisch-jüdischen Geschäftsmanns Morris Talansky bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen unterstützt zu haben.

Der Zeitungsbericht nannte keine Details zu einem Verdacht, wonach Olmert für mehrere hunderttausend Dollar Spenden Talanskys eine Gegenleistung erbracht haben könnte. Olmerts Anwalt Jacques Chen wies den Bericht zurück: Talansky habe Olmert nie um irgendetwas gebeten. Olmert habe damit nichts zu tun.

Inzwischen glaubt jedoch kaum jemand mehr an den dauerhaften Verbleib Olmerts auf dem Posten des Premierministers. Selbst der engste Verbündete Israels, die USA, rücken von ihm ab. Präsident George W. Bush benannte ungeniert Außenministerin Tzipi Livni oder Verteidigungsminister Ehud Barak als mögliche Nachfolger von Olmert.

Der Friedensprozess im Nahen Osten würde, so Bush, auch nach einem etwaigen Rücktritt des israelischen Regierungschefs weitergehen. Der Amerikaner reist am heutigen Dienstag in den Nahen Osten. Er will in Jerusalem an den Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der israelischen Staatsgründung teilnehmen. Es dürfte gleichzeitig der Abschied Ehud Olmerts von der politischen Bühne sein.