Eherecht:Hochzeit per Zoom

Lesezeit: 2 min

Eherecht: Heiraten soll in Utah so einfach wie möglich sein, jetzt geht das dort auch per Zoom. Eine Chance, die viele Menschen nutzen, die in ihrer Heimat nicht heiraten dürfen. Zum Beispiel gleichgeschlechtliche Paare aus China.

Heiraten soll in Utah so einfach wie möglich sein, jetzt geht das dort auch per Zoom. Eine Chance, die viele Menschen nutzen, die in ihrer Heimat nicht heiraten dürfen. Zum Beispiel gleichgeschlechtliche Paare aus China.

(Foto: DyD Fotografos/Geisler-Fotopress/picture alliance)

Wer im eigenen Land nicht heiraten darf, kann sich an den US-Bundesstaat Utah wenden.

Von Kathrin Werner

So hatten sich die Mormonen das nicht vorgestellt. Der Bezirk Utah County im US-Bundesstaat Utah, in dem die wertkonservative Religionsgemeinschaft das Sagen hat und mit 72 Prozent die Mehrheit der Bevölkerung stellt, hatte nach eigener Aussage eigentlich vor, das Heiraten ins 21. Jahrhundert zu holen. Und damit gemeint: ins Internet.

Seit kurz vor der Pandemie müssen Paare in Utah County nicht mehr zum Standesamt oder in die Kirche kommen. Wer heiraten will, kann sich einfach über den Videokonferenz-Dienst Zoom einwählen - egal von woher. Den konservativen Menschen in Utah war wichtig, dass heiraten so einfach wie möglich ist und die Verwaltung des Ganzen möglichst wenig kostet. Analog vor Ort in Utah muss darum nur eine Person sein, es genügt die Standesbeamtin oder der Standesbeamte. Unterschrieben wird per elektronischer Signatur. Welche Staatsbürgerschaft das Paar hat, spielt keine Rolle. "Jedes Paar, dessen Ehe nicht durch das Gesetz von Utah verboten ist, kann eine gültige Heiratslizenz beantragen und erhält diese auch", teilt die Behörde in Utah mit. Die meisten Länder erkennen Ehen aus anderen Ländern an, egal wie sie geschlossen wurden.

Die Sache mit den Zoom-Ehen kommt gut an. Tausende internationale Paare haben schon per Zoom geheiratet. Auch manche der Ehepartner waren dabei nicht am gleichen Ort, was besonders in Zeiten von Pandemie, Flucht und Kriegen hilfreich ist. Zoom-Hochzeiten sind auch eine Lösung für Menschen, die in ihrer eigenen Heimat nicht heiraten dürfen. Das Gesetz in Utah erlaubt das zum Beispiel auch gleichgeschlechtlichen Paaren, was unter anderem Menschen aus China anzieht, wo das nicht möglich ist.

Die chinesische Regierung hält die Ehe zwar nicht für legal, anderswo gilt sie aber, auch zum Beispiel bei den amerikanischen Einwanderungsbehörden, sofern die Ehe auch "vollzogen" wurde. Für chinesische Paare, deren Ehe zwar offiziell nicht legal ist, gibt es trotzdem andere Vorteile, etwa in Hong Kongs Steuerrecht. Und die digitale Hochzeit gibt den Paaren die Gelegenheit, ihre Liebe in einem offiziellen Rahmen zu feiern. Raymond Chan Chi-chuen, Hong Kongs erster offen schwuler Parlamentarier, und sein Freund hatten im Dezember 2021 vor einem Bildschirm mit Verbindung nach Utah geheiratet. Hochzeitsplaner wie die auf homosexuelle, queere oder Transgender-Paare spezialisierte Firma Next Chapter aus Hong Kong helfen bei der Organisation.

In Israel haben Zoom-Eheleute gerade einen Durchbruch erkämpft. Das Verwaltungsgericht in Jerusalem hat entschieden, dass das Land acht Paare, die in Utah online geheiratet hatten, rechtlich anerkennen muss - ein wichtiger Schritt zur Förderung der zivilen Ehe. Eine Organisation, die für Religionsfreiheit kämpft, hatte für die Paare und zwei Rabbis in Utah geklagt, nachdem israelische Behörden die Ehen zunächst nicht anerkannt hatten. Das israelische Heiratsgesetz sieht vor, dass Ehen unter der Schirmherrschaft der Religionsgemeinschaft stattfinden müssen, der das Paar angehört. Es gibt allerdings israelische Paare, denen eine säkulare Ehe wichtig ist oder die unter jüdischem Kirchenrecht nicht heiraten dürfen. Im Ausland legal geschlossene Ehen erkennt Israel grundsätzlich an. Nun also auch die aus Zoom-Utah.

Zur SZ-Startseite