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Ehemaliger sowjetischer Außenminister:Eduard Schewardnadse gestorben

Er war Außenminister der Sowjetunion, Präsident Georgiens - und galt als einer der Wegbereiter der deutschen Wiedervereinigung. Jetzt ist Eduard Schewardnadse im Alter von 86 Jahren gestorben.

Der frühere sowjetische Außenminister und georgische Präsident Eduard Schewardnadse ist im Alter von 86 Jahren in Tiflis gestorben. Das melden die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass sowie andere Nachrichtenagenturen unter Berufung auf Vertraute.

Er sei nach langer Krankheit gestorben, sagte seine Sprecherin der Agentur Reuters. Weitere Details nannte sie nicht. Ein anderer Sprecher sagte der dpa, Schewardnadse sei um 12 Uhr Ortszeit (10 Uhr mitteleuropäischer Zeit) verstorben.

Für Deutschland wurde Schewardnadse als einer der Wegbereiter der Wiedervereinigung wichtig. Doch in seiner georgischen Heimat galt er später als politischer Verlierer. 1992 wurde er Staatsratsvorsitzender, 1995 dann Präsident der Kaukasusrepublik, musste jedoch 2003 im Zuge der sogenannten Rosenrevolution zurücktreten.

Früherer sowjetischer Außenminister

Schewardnadse, Helfer des Mauerfalls

Am 25. Januar 1928 im georgischen Mamati nahe der Schwarzmeer-Küste geboren, machte der Historiker Schewardnadse bereits zu Zeiten seines Landsmanns Josef Stalin von 1948 an Karriere in der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU). Michail Gorbatschow holte ihn 1985 nach Moskau. Dort wurde Schewardnadse zum wichtigsten Vertrauten des letzten Sowjet-Präsidenten.

Wegbereiter der deutschen Wiedervereinigung

Schewardnadse sorgte als Außenminister an der Seite des Vaters von Glasnost und Perestroika (Offenheit und Umgestaltung) nach vier Jahrzehnten des Kalten Kriegs mit für politisches Tauwetter. Mit seinem Namen verbunden sind der Erfolg der Abrüstungspolitik, die Wiedervereinigung Deutschlands und die Zusammenarbeit mit den USA und anderen Ländern in der Golf-Krise.

Die für Deutschland wichtigste Arbeit leistete Schewardnadse als Vertreter der Sowjetunion bei den Zwei-plus-Vier-Gesprächen. Gegen den Widerstand vieler Kommunisten und Generäle in Moskau war der Politiker dabei einer der Wegbereiter der deutschen Wiedervereinigung.

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Eduard Schewardnadse über Hans-Dietrich Genscher

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Der ehemalige sowjetische Außenminister und georgische Präsident lobt Genschers Integrität, erinnert an bewegende Momente - und daran, dass ein anderer Politiker den Humor des Deutschen übertraf: US-Präsident Reagan.

1991 verließ Schewardnadse die KPdSU und trat der "Demokratischen Bewegung" bei, zu deren Mitinitiatoren er gehörte und die sich eindeutig von den Kommunisten abgrenzte. Als orthodoxe Kommunisten einen Putschversuch gegen Gorbatschow starteten, unterstützte dessen alter Vertrauter Schewardnadse allerdings den späteren russischen Präsidenten Boris Jelzin.

Als Präsident zum Rücktritt gezwungen

Nach dem Zerfall der Sowjetunion kehrte Schewardnadse nach Georgien zurück, wo er 1992 nach einem Putsch der Nationalgarde gegen Präsident Gamsachurdia zunächst zum Staatsratsvorsitzenden bestimmt wurde. Während seiner Amtszeit - ab 1995 als Präsident - hatte er mit zahlreichen Problemen zu kämpfen: Da waren zum einen die gewaltsamen Unabhängigkeitsbestrebungen in den Regionen Abchasien und Südossetien, zum anderen durchzog die Korruption alle Lebensbereiche.

Die Ära Schewardnadse in Georgien endete 2003. Bei den Parlamentswahlen erhielt die Regierungspartei zwar die Mehrzahl der Stimmen. Mitarbeiter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), die als Wahlbeobachter vor Ort waren, dokumentierten jedoch zahlreiche Manipulationen. Als eigentlicher Wahlsieger sah sich Oppositionsführer Michail Saakaschwili, der sich nach den Wahlen an die Spitze einer wachsenden Demonstrationsbewegung stellte. Diese forderte Schewardnadses Rücktritt und Neuwahlen. Dieser beugte sich schließlich dem Druck - und gab sein Amt auf.

In den vergangenen Jahren lebte er in seinem Haus in Tiflis. Schewardnadse hinterlässt zwei Kinder. Seine Frau starb bereits im Jahr 2004.