Ehemaliger Guantanamo-Insasse Guantanamo-Häftling bekommt Millionen-Entschädigung

Omar Khadr, ehemaliger Guantanamo-Häftling, wird für die erlittenen Misshandlungen entschädigt (Bild von 2015).

(Foto: AP)
  • Omar Khadr war zehn Jahre im US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba - eingeliefert wurde er im Alter von 15 Jahren.
  • Jetzt bekommt der gebürtige Kanadier eine Entschädigung in Millionenhöhe.
  • Der kanadische Staat erkennt damit seine Rolle in der Misshandlung Khadrs bei den Verhören an.

Der ehemalige Guantanamo-Gefangene Omar Khadr bekommt von der kanadischen Regierung eine Entschuldigung und mehrere Millionen kanadische Dollar als Entschädigung für die erlittene Misshandlung. Eine entsprechende Vereinbarung erzielten die Anwälte Khadrs vor einigen Wochen, wie jetzt bekannt wurde. Die Anwälte werfen der Regierung vor, gegen internationales Recht verstoßen zu haben, weil sie ihren eigenen Staatsbürger nicht geschützt und vor Misshandlungen bewahrt hätten.

Über die genaue Höhe der Entschädigung wird spekuliert. Der Nachrichtenagentur AP zufolge sind es 10,5 Millionen kanadische Dollar (7,1 Millionen Euro). Seine Anwälte hatten 20 Millionen gefordert.

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Mit 15 Jahren nach Guantanamo gebracht

Khadr, der in Toronto geboren wurde und die kanadische Staatsbürgerschaft besitzt, verbrachte große Teile seiner Kindheit in Afghanistan und Pakistan. Nach Angaben seines Anwalts wurde er von seinem Vater, einem ranghohen Al-Qaida-Mitglied, in den Konflikt in Afghanistan getrieben. Nach einem Gefecht mit US-Soldaten, bei dem ein Amerikaner durch eine Handgranate getötet wurde, war Khadr im Alter von 15 Jahren schwer verletzt gefangen genommen worden. Er wurde der jüngste Gefangene in Guantanamo, wo er zehn Jahre seines Lebens verbrachte und von kanadischen Geheimdienstmitarbeitern unter "repressiven Umständen" wie Schlafentzug verhört wurde, wie ein kanadisches Gericht später feststellte.

Sein Fall machte international Schlagzeilen, seine Anwälte bezeichnen ihn als Kindersoldaten. Von einer Militärkommission wegen Kriegsverbrechen angeklagt, bekannte er sich 2010 schuldig und wurde zu acht Jahren Haft zusätzlich zu der bereits in Gefangenschaft verbrachten Zeit verurteilt. Zwei Jahre später kehrte er nach Kanada zurück, um seine Reststrafe abzusitzen. Im Mai 2015 kam er frei, nachdem er Berufung gegen das Urteil eingelegt hatte. Er machte geltend, dass sein Schuldeingeständnis unter Zwang erfolgt sei. Dem Toronto Star zufolge sagte er zudem in einem Interview 2015, er könne sich nicht erinnern, ob er die tödliche Granate geworfen habe. Er habe aber das Geständnis und die resultierende Vereinbarung mit dem Gericht als den einzigen Weg gesehen, aus dem Gefängnis zu kommen.

Tausende amerikanische Soldaten wurden in Afghanistan und dem Irak getötet, doch Khadr ist der Zeitung Toronto Star zufolge der einzige Gefangene, den die USA wegen des Mordes an einem Soldaten angeklagt haben. Dies wurde erst nach dem 11. September 2001 durch ein Gesetz zum Kriegsverbrechen erklärt.

Keine Entschuldigung für Murat Kurnaz

In Deutschland wurde der Fall Murat Kurnaz bekannt. Er saß fünf Jahre in Guantanamo. Weil ihm keine Terroraktivitäten nachgewiesen werden konnten, boten die USA Deutschland seit 2002 mehrmals an, den als Sohn türkischer Einwanderer in Deutschland geborenen Kurnaz freizulassen. Deutschland lehnte das jedoch vier Jahre lang mit Hinweis auf die türkische Staatsbürgerschaft von Kurnaz ab. In einem Interview mit der SZ sagte Kurnaz 2011, der damalige Kanzleramtschef und heutige Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier habe seine Rückkehr verhindert und wolle sich dafür nicht entschuldigen - im Gegensatz zu Vertretern des US-Kongresses.

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