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Ehe und Familie:Kinder auf der Verlustliste

Die Ehe, in guten wie in schlechten Zeiten, verwandelt sich in die vorübergehende Arbeitsgemeinschaft zur gemeinsamen Nutzung der Freizeit. Für schlechte Zeiten ist die Lebensabschnittspartnerschaft nicht eingerichtet. Auf der Verlustliste dieses "Fortschritts" stehen die Kinder, die Eltern, die Frauen und die Liebe. Die Kinder werden ohne Mutter und Vater groß. Eltern erleben Kinder nur nebenbei. Im Finale dieser Entwicklung wird es gar keine Eltern mehr geben. Kinder werden Geschöpfe des Staates.

Zu den überraschenden Ergebnissen dieser Art von Emanzipation zählen mehr im Alter alleinstehende Frauen. Ehemänner bevorzugen im Alter jüngere Zweitfrauen. Das ist die bittere Rache des bornierten Patriarchats. Gibt es vielleicht eine Form des Feminismus, die ungewollt als Geheimagent der Männerherrschaft wirkte?

Der neue, erfolgreiche Mensch wird nirgendwo und nirgendwann von der Liebe berührt. Er lebt für sich als selbstgenügsame Monade. Emotionale Defizite lassen sich notfalls pharmakologisch beseitigen. Wenn es Gen-Manipulatoren gar gelingt, die Nachfrage nach dem Miteinander an der Wurzel des Menschwerdens schon in der Erbausstattung auszurotten, dann wird der Autismus zum amtlichen Gesellschaftsprogramm.

Ehe ist im modernen Verständnis die Addition von zwei selbständigen Individuen, während sie im alten Sinn eine Gemeinschaft bildet, die mehr als die Summe ihrer Teile ist (Aristoteles).

Von den Erschütterungen der Liebe, von ihrer Freud und ihrem Leid, bleibt der "neue Mensch" verschont, aber er erfährt auch nichts von dem Glück, das sich aus dem Erlebnis speist, dass teilen reicher und lieben paradoxerweise zugleich abhängiger und freier macht.