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Editorial:Stresstest

Der Alltag ist für viele Paare eine Herausforderung für die Liebe. Manchmal hilft es da, wenn man weiß, wie es anderen geht. Diese Sonderausgabe vereint 30 Texte zum Thema Partnerschaft, die zwischen 2017 und 2020 in der SZ erschienen sind.

Von Heike Nieder

Ein Wochentag im Jahr 2020, es ist 21 Uhr. Alle Kinder sind im Bett, der Abendbrottisch ist abgeräumt, theoretisch könnten sie sich jetzt noch aufs Sofa kuscheln. Sie könnten einander fragen, wie es dem anderen geht, beide könnten von ihrem Tag erzählen. Als sie in die Küche kommt, sitzt er auf einem Stuhl, vor sich den aufgeklappten Laptop. Sein Kopf ist in den Nacken gefallen. Er schläft.

Der Alltag mit Kindern und doppelter Berufstätigkeit ist auch in normalen Zeiten fordernd genug. Wenn dann plötzlich eine Pandemie ausbricht, Schulen und Kindergärten im Frühjahr flächendeckend oder jetzt, im Herbst, teilweise geschlossen werden, wenn Mama und Papa vor allem von zu Hause aus arbeiten können und man nicht so recht weiß, ob man die Großeltern einspannen soll - dann liegen die Nerven blank. Im besten Fall übersteht man den Tag ohne Ausrasten. Abends noch ein Stündchen zusammensitzen und sich nach dem Wohlbefinden des anderen erkundigen? Nein danke, ich will nur noch ins Bett. Was Menschen mit gewaltbereiten Partnern in den Wochen des Lockdowns erlebt haben, mag man sich gar nicht ausmalen.

Für diese digitale Sonderausgabe haben wir dreißig Texte zum Thema Partnerschaft gesammelt, die zwischen 2017 und 2020 erstmals in der Süddeutschen Zeitung, der Zeitschrift SZ Familie oder im SZ Magazin erschienen sind. Was die Corona-Krise für Beziehungen bedeutet, ist genauso ein Thema wie der ganz normale Alltags-Wahnsinn zwischen Haus-, Familien- und Erwerbsarbeit. Interviews mit Paartherapeuten, Texte zum Thema Sexualität und Geschichten über wunderbare (Neu-)Anfänge runden die Ausgabe ab. Zudem berichten drei Paare in unterschiedlichen Lebensphasen in Videointerviews von ihrem Versuch, in einer gleichberechtigten Partnerschaft zu leben.

Die Texte erscheinen in unveränderter Form; Altersangaben und Berufsbezeichnungen entsprechen dem Veröffentlichungsdatum unter dem Text.

© SZ vom 30.10.2020
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