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Edathy versus Hartmann:Einer lügt

Edathy - Untersuchungsausschuss

"Ich wusste zu jedem Zeitpunkt, wo meine Akte war", sagt Sebastian Edathy.

(Foto: dpa)
  • Wer wusste was zu welchem Zeitpunkt? In einem Untersuchungsausschuss des Bundestags wird die Edathy-Affäre aufgearbeitet.
  • Der ehemalige SPD-Innenpolitiker Sebastian Edathy sagt, er sei vor Strafverfolgung wegen des Kaufs möglicherweise verbotener Filme unbekleideter Kinder gewarnt worden - durch seinen früheren SPD-Fraktionskollegen Michael Hartmann.
  • Hartmann wiederum habe seine Informationen vom damaligen BKA-Präsidenten Jörg Ziercke gehabt, sagt Edathy.
  • Was sagt Hartmann dazu? Er streitet alles ab. Nie habe er mit Edathy aus eigenem Wissen über den Verdacht gesprochen, kinderpornografisches Material gekauft zu haben.

Die Lüge ist ein schwieriges Geschäft. Wer es mit ihr versucht, muss höllisch aufpassen, sich nicht durch Ungereimtheiten zu verraten. Im BKA-Ausschuss des Bundestages hat zumindest einer diese Kunst geradezu meisterhaft beherrscht.

In dem Ausschuss wird die politische Seite der Edathy-Affäre aufgearbeitet. Wer wusste was zu welchem Zeitpunkt. Eine hochkomplexe Geschichte um den ehemaligen SPD-Innenpolitiker Sebastian Edathy. Mitten in den Koalitionsverhandlungen mit der Union kam Ende 2013 die Nachricht auf, dass Edathy möglicherweise strafrechtlich relevante Filme unbekleideter Kinder gekauft haben könnte. Sein Name tauchte auf der Kundenliste einer gerade aufgeflogenen Firma in Kanada auf.

Das Gerücht war schnell da, dass Edathy gewarnt worden sein könnte. Edathy hat in dieser Woche ausgepackt. Große Pressekonferenz in Berlin, eine eidesstattliche Erklärung, sein Auftritt im BKA-Ausschuss. Und überall sagt er: Sein früherer Fraktionskollege Michael Hartmann habe ihn informiert.

Edathy wirkt durchaus überzeugend

Im Ausschuss wirkt Edathy durchaus überzeugend. Er redet frei, wenn auch manchmal etwas ausschweifend. Er sei dank Hartmann seit einem Parteitag in Leipzig im November 2013 jederzeit gut informiert gewesen über seinen Fall. Erst über den Verdacht, den es gegeben habe. Und später auch über das bevorstehende Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Hannover zu Beginn des Jahres. "Ich wusste zu jedem Zeitpunkt, wo meine Akte war" - dank Hartmann. Der habe seine Informationen nämlich direkt von BKA-Präsident Jörg Ziercke gehabt.

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Eine weitreichende Aussage. Stimmt sie, hätten Hartmann und Ziercke echte Probleme. Strafvereitelung ist eine schwere Straftat. Ziercke hätte seine Pension aufs Spiel gesetzt, hätte er mit Hartmann über den Fall Edathy gesprochen.

Andererseits: Warum sollte Edathy lügen? Rache? Weist er zurück. Hartmann sei er dankbar. Der habe ihm aus "menschlicher Fürsorge" geholfen, sagt er. Jetzt aber sei er vor einem Untersuchungsausschuss des Bundestages geladen. Und da müsse er nun mal die Wahrheit sagen. Und die sei eben "nicht schön".