Edathy-Prozess:Die Frage war doch: Hat er oder hat er nicht?

Nun geht es in die Details. Wie viel muss Edathy zahlen? Was kriegt er zurück von den Gegenständen, die Polizisten bei ihm beschlagnahmt haben? Die Strafe ist schnell geregelt, 5000 Euro sollen es sein - für den Kinderschutzbund. Edathy lächelt etwas gequält. Dann sagt er, er hätte schon gern seinen Computer und andere Sachen zurück. "Meinen rechtmäßigen Privatbesitz bis hin zur Familienbibel." -"Natürlich können Sie die Familienbibel zurückhaben", sagt Staatsanwalt Klinge.

"Aber wie ist es mit den Heften Adam junior und Buben in Freiheit dressiert? Wollen Sie die auch zurück?" Schnell springt der Verteidiger ein, natürlich werde auf die Magazine verzichtet. Später wird der Staatsanwalt gefragt, warum er die Dinge noch mal so beim Namen nennen musste. Ist das nicht doch nachtreten? Der Staatsanwalt lächelt. "Die Familienbibel", sagt er, "liegt seit Langem beim Bundestag. Die kann sich Herr Edathy jederzeit abholen. Wir haben ihm das mehrfach angeboten."

Richter: Rücksichtslose Missachtung der Schutzbedürftigkeit von Kindern

Richter Jürgen Seifert stellt dann das Verfahren ein. Der Angeklagte sei nicht vorbestraft, er sei noch nie strafrechtlich aufgefallen, und er habe ein Geständnis abgelegt. "Er hat sich vor der gesamten deutschen Öffentlichkeit seinem Fehlverhalten gestellt." Und der Richter sagt jetzt auch, um was es hier eigentlich geht - jenseits juristischer Formulierungskunst.

"Kinderpornografie ist kein Kavaliersdelikt. Die Kinder werden in ihrer Würde und Entwicklung nachhaltig geschädigt. Es geht um die rücksichtslose Missachtung der Schutzbedürftigkeit von Kindern." Edathy habe diese Filme und Hefte nicht hergestellt, aber es gebe diese Hefte nur, weil es einen Markt dafür gibt. "Niemand, auch ein Bundestagsabgeordneter nicht, kann damit rechnen, dass der Staat solche Straftaten ignoriert."

Es ist eine Wahrheit, die im Ringen um Durchstechereien und Verteidiger-Erklärungen fast untergegangen wäre. "Das Gericht hat die Hoffnung, dass sich der Angeklagte bewusst geworden ist, dass das, was er getan hat, eine Straftat ist. Und dass er sie nie wieder begehen wird." Alles Gute wünscht der Richter Edathy noch. Der verlässt das Gericht als freier Mann, nicht vorbestraft. Er verschwindet ohne ein Wort. Auf Facebook postet er kurz danach: "Ich weise darauf hin, dass ein 'Geständnis' ausweislich meiner heutigen Erklärung nicht vorliegt."

In der Tür zum Gerichtssaal steht die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hannover, neben ihr Edathys Verteidiger. "Es geht uns nicht darum, Ihren Mandanten vorzuführen und Reue zu erpressen", sagt sie zu ihm. "Oder dass wir damit unser angeblich mickriges Ermittlungsergebnis kaschieren wollten. Die Frage war doch: Hat er oder hat er nicht? Und er hat, das hat er heute zugegeben." Der Verteidiger lächelt.

Dann tritt er vor die Kameras. "Sebastian Edathy hat als unschuldig zu gelten", sagt Noll. Und er habe gar nicht zugegeben, dass er Kinder- und Jugendpornografie besessen hat. "Er hat sich nicht zum Inhalt der Dateien geäußert." Man kann das als Verteidiger ja mal versuchen, man kann alles uminterpretieren, vielleicht gefällt das so auch dem Mandanten. Aber alle, die im Saal saßen, haben gehört, wie Noll im Namen Edathys vorgetragen hat: "Der Inhalt (der Dateien) war mir bekannt."

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