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Edathy:Die Moral der SPD

Das Parteiausschlussverfahren geht heute in die letzte Runde.

Von Heribert Prantl

Von einer Partei wie der SPD wünscht man sich ein starkes Auftreten, kein starkes Zutreten. Man wünscht sich, dass eine Partei, die das Wort "sozial" im Namen trägt, sich nicht benimmt wie ein Hooligan. Das heißt: Man tritt auf einen Menschen nicht auch noch ein, wenn der schon am Boden liegt - auch nicht, wenn der Sebastian Edathy heißt und früher einmal, bevor er vorverurteilt und aus der Gesellschaft ausgeschlossen wurde, ein prominenter SPD-Bundestagsabgeordneter war.

Das von der SPD-Spitze gegen Sebastian Edathy beantragte Parteiausschlussverfahren geht am heutigen Montag in die letzte Runde. Die SPD-Spitze versucht auf diese eher schäbige Weise, möglichst große Distanz einzulegen zwischen sich und ihrem Ex-Abgeordneten, der der öffentlichen Verdammnis anheimgefallen ist, weil er im Internet Bilder nackter Kinder und Jugendlicher bestellt hat. Die SPD-Spitze fürchtet sich davor, dass - es ging ja um den Vorwurf der Kinderpornografie - so etwas wie eine Kontaktschuld an ihr kleben bleiben könnte. Zwar hat die Strafjustiz das Verfahren gegen Edathy eingestellt, weil die strafrechtliche Substanz der Sache sehr dünn war. Die SPD beruft sich daher nun nicht auf das Recht, sondern auf die Moral.

Zur Moral gehört es eigentlich auch, einem gestrauchelten Menschen wieder aufzuhelfen. Die SPD-Spitze stößt und stiefelt ihn weg. Ist das moralisch?

© SZ vom 01.06.2015
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