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Ecuador:Ein Banker als Präsident

Guillermo Lasso

Kaum Rückhalt für einen Aufbruch: Ecuadors neuer Präsident Guillermo Lasso.

(Foto: Dolores Ochoa/AP)

Erst im dritten Anlauf hat es Guillermo Lasso zum Staatschef geschafft. Nun muss er Ecuador aus einer schweren Krise führen. Sein Problem: Im Parlament hat er starke Gegenspieler und im Volk kaum Rückhalt.

Von Christoph Gurk, Buenos Aires

Als Guillermo Lasso am Montag als neuer Präsident von Ecuador vereidigt wurde, ging für den 65-Jährigen ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Zweimal hatte er sich um das Amt beworben, beim dritten Mal hat es geklappt. "Seit Jahren träume ich davon, den Ecuadorianern zu dienen", sagte der konservative Banker und streng gläubige Katholik nach seinem Wahlsieg. Nun also ist aus dem Traum Realität geworden, die allerdings ziemlich bitter ist.

Ecuador befindet sich gleich in mehreren Krisen. Zum einen hat die Pandemie das Land schwer getroffen. Von etwa 17 Millionen Menschen haben sich über 400 000 infiziert, mehr als 20 000 sind gestorben. Experten sagen allerdings, das Virus habe in Wahrheit noch viel mehr Todesopfer gefordert.

Schon vor der Pandemie steckte Ecuador dazu in einer schweren ökonomischen Krise. Letztes Jahr schrumpfte die Wirtschaft dann aber unter anderem wegen strenger Lockdown-Maßnahmen um fast acht Prozent; mehr als eine halbe Million Menschen haben 2020 ihren Job verloren, ein Drittel der Ecuadorianer lebt heute unter der Armutsgrenze.

Guillermo Lasso hat versprochen, sein Land aus dieser Notlage herauszuführen. Der Kampf gegen das Virus dürfte dabei vergleichsweise noch die leichtere Aufgabe sein. Lasso hofft hier auf Impfungen. In den ersten 100 Tagen seiner Präsidentschaft sollen neun Millionen Ecuadorianer immunisiert werden. Die Impfstoffe treffen zwar nur langsam ein, die Hoffnung ist aber, dass sich das bald ändert. Viel schwieriger wird es vermutlich für Lasso, den neoliberalen Reformplan durchzusetzen, den er seinen Wählern während des Wahlkampfes versprochen hat.

Lasso stammt aus der Wirtschaftsmetropole Guayaquil. Schon als Teenager, sagt er, habe er bei der Börse gearbeitet. Mit Anfang 20 gründete er seine erste Firma, mit Ende 30 war er Präsident einer großen Bank, deren Anteilseigner er heute immer noch ist.

Der neue Staatschef ist Mitglied bei Opus Dei

Als Ende der 90er Jahre die Wirtschaft in Ecuador zusammenbrach, wurde Lasso zum Superminister ernannt, mit der Aufgabe, die Krise zu bekämpfen. In den nächsten Jahren baute Lasso seine politische Karriere aus, gründete seine eigene Partei, Creando Oportunidades. Ihr Name bedeutet auf Deutsch so viel wie "Möglichkeiten schaffen", ihre Abkürzung, CREO, wiederum "Ich glaube", was für den strengen Katholizismus von Lasso steht: Er ist Mitglied bei der ultrakonservativen Vereinigung Opus Dei und spricht sich strikt gegen gleichgeschlechtliche Ehen und Abtreibung aus.

2013 und 2017 trat Lasso bei den Präsidentschaftswahlen an. Das erste Mal verlor er gegen den damaligen linkspopulistischen Präsidenten Rafael Correa, das zweite Mal gegen dessen damaligen politischen Verbündeten, Lenín Moreno.

Auch dieses Mal sah es so aus, als ob Lasso verlieren würde. In der ersten Runde bekam er nur 20 Prozent der Stimmen. Dass er in der Stichwahl dann doch gewann, lag wohl weniger daran, dass die Wähler doch noch ihre Liebe zu Lasso entdeckt haben, als vielmehr daran, dass die Mehrheit einen Sieg des Kandidaten von Ex-Präsident Correa und damit seine Wiederkehr in die Politik verhindern wollten.

Lassos Rückhalt in der Bevölkerung bleibt deshalb gering. Er verfügt auch im Parlament über kaum Sitze und muss sich gegen zwei große linke Blöcke behaupten. Vor diesem Hintergrund dürfte es extrem schwer werden, Ausgabenkürzungen durchzusetzen oder gar Steuererhöhungen. Und selbst wenn Lasso die dafür nötigen Stimmen im Parlament zusammenbekäme, bliebe immer noch der Widerstand in der Bevölkerung.

Viele Ecuadorianer sind von der Politik enttäuscht und gleichzeitig wenig gewillt, noch mehr Lasten mitzutragen. Schon 2019 kam es zu landesweiten Protesten, nachdem die damalige Regierung angekündigt hatte, die Subventionen für Benzin zu streichen. Tagelang brannten Barrikaden, nur mühsam bekam die Regierung die Lage wieder unter Kontrolle. Heute ist die Situation noch angespannter als damals. Gut möglich, dass Lasso als Präsident schon bald Proteste entgegenschlagen.

© SZ/nien
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