GesundheitE-Patientenakte laut Hausärzten nur eingeschränkt praxistauglich

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Hausärzten ist die elektronische Patientenakte zu unübersichtlich.
Hausärzten ist die elektronische Patientenakte zu unübersichtlich. Patrick Pleul/picture alliance/dpa-Zentral

Seit einem Jahr gibt es die elektronische Patientenakte. Der Hausärzteverband ist nicht zufrieden: Die Akte sei unübersichtlich und ihr IT-System störungsanfällig. Auch Verbraucherschützer fordern eine Weiterentwicklung der E-Akte.

Die Hausärzte ziehen eine kritische Bilanz der Anfang vergangenen Jahres eingeführten elektronischen Patientenakten (ePA). „Die allerwenigsten Patientinnen und Patienten haben sich ihre ePA einmal angeschaut. Das liegt vor allem an dem absurd komplizierten Registrierungsprozess, der selbst digital affine Menschen irgendwann frustriert aufgeben lässt“, sagte der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärztinnen- und Hausärzteverbands, Markus Beier, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Viele wüssten auch gar nicht, dass sie eine ePA besitzen.

Auch der Bundesverband der Verbraucherzentralen zeigt sich enttäuscht: Die ePA müsse „zügig im Sinne der Versicherten weiterentwickelt werden“, teilte der Bundesverband mit. Es fehlten zentrale Funktionen wie digitale Impf- oder Bonushefte. Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale-Bundesverbands, forderte für die ePA, dass es möglich sein müsse genau einzustellen, welche Praxis auf welche Informationen zugreifen kann. „So möchten Patientinnen und Patienten möglicherweise psychotherapeutische Befunde mit der Hausarztpraxis teilen, jedoch nicht unbedingt mit der Zahnarztpraxis“, erläuterte Pop.

Etwa 70 Millionen der gut 74 Millionen gesetzlich Versicherten haben hierzulande eine ePA von ihrer Krankenkasse angelegt bekommen. Man kann die E-Akte auch ablehnen. Laut Bundesgesundheitsministerium nutzen sie bisher nur vier Millionen gesetzlich Versicherte. Seit Oktober 2025 sind Praxen und Kliniken verpflichtet, wichtige Daten wie Befunde und Laborwerte einzustellen. Die E-Akte soll Patienten ein Leben lang begleiten und zu besseren Behandlungen beitragen. An diesem Mittwoch will der Verbraucherzentrale Bundesverband eine Bilanz zur ePA ziehen.

Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Verbraucherzentrale nutzen fast Dreiviertel der Befragten ihre ePA nicht aktiv. Als Gründe dafür gaben die Befragten an, sie hätten sich mit der ePA noch gar nicht beschäftigt. 33 Prozent sahen in ihr keinen Nutzen. 13 Prozent gaben Datenschutzbedenken als Grund an.

Ärztefunktionär Beier beklagte, derzeit sei die E-Akte vor allem „eine unsortierte PDF-Sammlung, mit der Praxen im Alltag nur wenig anfangen können“. Mühsam müssten sich die Ärzte durch unzählige Dokumente arbeiten, es fehle eine Volltextsuche. Ein großes Problem sei auch, dass es bei dem Netzwerk, auf dem die ePA läuft, zu massiven Störungen und Ausfällen komme. „Das frisst in den Praxen unglaublich viel Zeit und sorgt für enormen Frust“, sagte Beier. Der allergrößte Teil der Praxen nutze die E-Akte und stelle Dokumente ein. „Die ePA scheitert derzeit also nicht an den Praxen, sondern an der mangelhaften Umsetzung und der störungsanfälligen Technik“, sagte er.

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