E-Mail-Affäre Clintons:Trump wittert "größten politischen Skandal seit Watergate"

Lesezeit: 2 min

Republican presidential nominee Donald Trump pumps his fist after a campaign event in Cedar Rapids

US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump: "Großer Respekt" vor dem FBI

(Foto: REUTERS)

Die Republikaner wollen aus den neuen FBI-Ermittlungen gegen Hillary Clinton maximales politisches Kapital schlagen. Die E-Mail-Affäre könnte selbst eine mögliche Präsidentschaft Clintons überschatten.

Von Christoph Behrens

So schnell können sich für Donald Trump Feinde in Freunde verwandeln. "Sehr sehr unfair! Wie üblich ein schlechtes Urteil", twitterte der US-Präsidentschaftskandidat noch im Juli über FBI-Chef James Comey. Da hatte dieser gerade die Untersuchung zu Hillary Clintons privatem E-Mail-Server beendet - ohne Anklage gegen die Demokratin zu erheben. Das System sei manipuliert, so Trump damals.

Nun scheint alles vergeben. "Großen Respekt" habe er für das FBI, den Fehler zu korrigieren, sagte Trump vor Anhängern in Maine. Am Freitag hatte Comey in einem Brief an den US-Kongress neue Ermittlungen im Zuge der E-Mail-Affäre angekündigt. Jetzt werde es endlich Gerechtigkeit geben, frohlockte Trump. "Das ist der größte politische Skandal seit Watergate."

Hillary Clinton hat ebenfalls auf die Ankündigung der neuen Ermittlungen. Die Präsidentschaftskandidatin rief die Bundespolizei FBI auf, umgehend alle Informationen über neue Untersuchungen von E-Mails aus ihrer Zeit als Außenministerin zu veröffentlichen.

Für Trump kommt die Ankündigung Comeys zum richtigen Zeitpunkt. In Umfragen ist der Republikaner in den letzten Wochen hinter Clinton zurückgefallen. Viele Amerikaner haben ihre Stimme bereits abgegeben, der Umfrage-Vorsprung dürfte Clinton daher bereits vor dem eigentlichen Wahltag helfen. Die demokratische Kampagne verfügt laut New York Times zudem über deutlich mehr Finanzreserven für den Endspurt als die Republikaner. Weniger als zwei Wochen vor der Entscheidung hat Clinton demnach noch 153 Millionen US-Dollar übrig, Trump nur 68 Millionen.

Die neuen Ermittlungen des FBI bringen nun Chaos in diesen Wahlkampf, der bereits als entschieden galt - und die Republikaner sind entschlossen, die Affäre auszuschlachten. "Wir dürfen sie [Hillary Clinton] ihre kriminellen Machenschaften nicht ins Oval Office tragen lassen", erklärte Trump am Freitag bei einer Veranstaltung in New Hampshire. Sein Vizekandidat Mike Pence sprach in einem Tweet von einer jahrzehntelangen "unverblümten Korruption" Clintons.

Tatsächlich ist Clinton selbst nicht der Auslöser für das FBI, erneut zu ermitteln. Vielmehr durchforstete die Bundesbehörde Nachrichten von Anthony Weiner. Dem ehemaligen demokratischen Abgeordneten wird vorgeworfen, SMS mit anzüglichen Inhalten unter anderem mit Minderjährigen ausgetauscht zu haben. Weiners Frau Huma Abedin ist seit Jahren eine enge Vertraute Clintons, Anfang des Jahres hatte sie sich im Zuge der "Sexting"-Affäre von Weiner getrennt. In einem Brief an den US-Kongress betonte FBI-Chef Comey, die beiden Fälle Clinton und Weiner hätten zwar prinzipiell nichts miteinander zu tun. Vermutet wird aber, dass sich Clinton-Mails auf den bei Weiner beschlagnahmten Geräten befinden könnten. Nun müsse geklärt werden, schreibt Comey, ob diese Post geheime Informationen enthalte.

Bei den Demokraten wächst unterdessen die Furcht, dass Clintons unseliger Umgang mit ihrem E-Mail-Postfach nicht nur den aktuellen Wahlkampf überschatten könnte, sondern auch eine mögliche Präsidentschaft. Die Ankündigung des FBI entfalte eine "ziemlich gefährliche Dynamik", sagte der prominente Demokrat und Parteistratege Jim Manley der New York Times. Und die Republikaner? Die scheinen entschlossen, Clinton wegen ihrer E-Mails "die nächsten Monate und Jahre" zuzusetzen. Nur allzu schmerzhaft sind den Demokraten noch die zähen Verfahren und Untersuchungen aus Bill Clintons Zeit als Präsident in Erinnerung. Eins sei sicher, so Manley: Auf schöne Flitterwochen im Amt dürfe Clinton wohl nicht hoffen.

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