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Dschihadisten:Einsamer Wolf im Heiligen Krieg

Bei einer Routinekontrolle festgenommen: Mehdi Nemmouche soll für den Anschlag auf das Jüdische Museum in Brüssel verantwortlich sein.

(Foto: AFP)

Jung und radikalisiert: Der mutmaßliche Attentäter von Brüssel soll über ein Jahr lang an der Seite von syrischen Dschihadisten gekämpft haben. Mehdi Nemmouche ist einer von Hunderten Europäern, die sich Islamisten angeschlossen haben - und von Anschlägen in der Heimat träumen.

Es heißt, er habe gelebt wie ein "einsamer Wolf". Mehdi Nemmouche, der am vorletzten Samstag im Jüdischen Museum in Brüssel vier Menschen erschossen haben soll, war allem Anschein nach scheu, ruhelos und ständig unterwegs. Am Freitag wurde der 29-jährige Franzose, der keinen festen Wohnsitz hat, in Marseille festgenommen. Mehr oder weniger zufällig, bei einer Zollkontrolle.

Im Gepäck hatte er eine Kalaschnikow und einen Revolver, wie die französische Polizei mitteilte. "Wenn man mit so einem Arsenal erwischt wird, heißt das kaum, dass man mit friedlichen Absichten unterwegs ist", sagt der französische Innenminister Bernard Cazeneuve, von dem auch der Vergleich mit dem Wolf stammt.

Auf Nemmouches Fotoapperat fanden die Ermittler einen 40-sekündigen Film, in dem sich der mutmaßliche Täter zu dem Anschlag bekennt und auch die mutmaßlichen Tatwaffen zu sehen sind. Offenbar wollte er die Tat mit einer anderen, kleineren, Kamera filmen, diese habe aber nicht funktioniert. Die Kalaschnikow war in ein Tuch mit dem Namen der Dschihadistengruppe "Islamischer Staat im Irak und in Syrien" (ISIS) gewickelt. Sie gilt als eine der kampfstärksten Dschihadisten-Gruppen, die derzeit in Syrien kämpfen und hat einen besonders hohen Anteil ausländischer Kämpfer.

Offizielle Stellen in Frankreich berichten, dass etwa 700 französische Dschihadisten in Syrien kämpfen oder bereits zurück in ihrer Heimat sind. An diesem Montag wurden vier weitere von ihnen festgenommen. Ob sie in direktem Zusammenhang zu Nemmouche stehen, ist nicht bekannt.

Im Gefängnis radikalisiert

Der mutmaßliche Attentäter von Brüssel habe sich in der Haft radikalisiert, sagte Staatsanwalt François Molins. Fünfmal war er bisher im Gefängnis. Wegen schwerer Raubüberfälle und Autodiebstahl saß er insgesamt fünf Jahre lang in Haft. Als er im Dezember 2012 das letzte Mal entlassen wurde, gab Mehdi Nemmouche als Heimatadresse die seiner Mutter und seiner Tante im nordfranzösischen Tourcoing an, tauchte dort aber nie auf. Er reiste nach Großbritannien, dann über die Türkei nach Syrien, wo er über ein Jahr lang blieb.

Am vorvergangenen Samstag soll Nemmouche im Jüdischen Museum in der Brüsseler Innenstadt auf vier Menschen geschossen haben. Ein israelisches Paar und eine Französin starben sofort, ein Belgier schwebte lange in Lebensgefahr und wurde inzwischen für klinisch tot erklärt. Nemmouche, der in der Nähe von Paris in Untersuchungshaft sitzt, schweigt zu den Vorwürfen.