Drohungen von NordkoreaDiplomaten trotzen Kriegswarnungen

Lesezeit: 2 Min.

Nur ein Versuch, die Spannungen zu erhöhen: Trotz kriegerischer Töne von Kim Jong Un bleiben ausländische Diplomaten zunächst in Nordkorea. Während die USA eine Aufklärungsdrohne in die Region schicken wollen, ermahnt ausgerechnet Kubas Ex-Staatschef Fidel Castro seinen alten Verbündeten.

Die ausländischen Diplomaten in Pjöngjang folgen offenbar der Aufforderung der nordkoreanischen Regierung zum Verlassen des Landes zunächst nicht. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap meldete unter Berufung auf diplomatische Kreise, die Erklärung des Nordens werde als Versuch gesehen, die Spannungen auf der Halbinsel weiter zu erhöhen.

Die deutsche Botschaft in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang ist nach Angaben des Auswärtigen Amtes weiterhin arbeitsfähig. Die Sicherheit der Vertretung werde ständig überprüft und Außenminister Guido Westerwelle (FDP) durchgehend unterrichtet, erklärte ein Ministeriumssprecher. "Bis auf Weiteres" sei die Arbeitsfähigkeit der Botschaft hergestellt.

Westerwelle äußerte bereits zuvor die "klare und unmissverständliche Erwartung", dass die nordkoreanische Führung ihrer Pflicht nachkommen müsse, "die Sicherheit und Arbeitsfähigkeit der diplomatischen Vertretungen vor Ort zu jedem Zeitpunkt" zuverlässig zu garantieren.

Nordkorea hatte mitgeteilt, im Falle eines Konflikts die Sicherheit der Mitarbeiter von Botschaften und internationalen Organisationen ab dem 10. April nicht mehr gewährleisten zu können. Die britische Regierung sprach von einem Propaganda-Schachzug, das Auswärtige Amt von einem inakzeptablen Schritt.

In den vergangenen Wochen sind die Spannungen zwischen Nord- und Südkorea deutlich gestiegen. Die Führung in Pjöngjang drohte den USA mit einem atomaren Erstschlag und erklärte, sich im Kriegszustand mit Südkorea zu befinden. Die USA schickten daraufhin Tarnkappenbomber und Kriegsschiffe in die Region und kündigten an, bald ein Raketenabwehrsystem auf der Pazifik-Insel Guam zu stationieren.

Raketentest erwartet

Die US-Regierung hält einen baldigen Raketentest des kommunistischen Regimes für wahrscheinlich. "Wir wären darüber nicht erstaunt", sagte der Sprecher von Präsident Barack Obama, Jay Carney. Ein solcher Schritt würde zur derzeitigen kriegerischen Rhetorik des kommunistischen Regimes passen. Man arbeite eng mit China und Russland zusammen, um auf Nordkorea Einfluss zu nehmen, fügte Carney hinzu.

Videotalk zur Korea-Krise, So ernst ist die Lage wirklich (Video: Süddeutsche.de)

Der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap zufolge verlegte Nordkorea zwei Mittelstrecken-Raketen an seine Ostküste. Demnach habe Pjöngjang die Raketen Anfang der Woche per Zug zur Küste gebracht und sie auf mobilen Abschussrampen installiert. Die Medienberichte über die Verlegung der nordkoreanischen Raketen bestätigte das Pentagon aber nicht. Im Februar hatte Nordkorea einen Atomwaffentest unternommen.

Vor dem Hintergrund des eskalierenden Konflikts ziehen Washington und Tokio die Verlegung einer Aufklärungsdrohne nach Japan in Betracht. Das berichtet die japanische Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf Quellen in beiden Ländern. Die "Global Hawk"-Drohne ist ein unbemanntes Aufklärungsflugzeug, das in großer Höhe operieren kann. Die Drohne solle auf einer US-Militärbasis in Japan stationiert werden.

Sonderwirtschaftszone Kaesong bleibt gesperrt

Auch wirtschaftlich spitzt sich die Krise zu. Nordkorea hat am dritten Tag hintereinander die gemeinsam mit Südkorea geführte Sonderwirtschaftszone Kaesong gesperrt. Südkoreanern war auch am Samstag der Zugang zu ihren Arbeitsplätzen und Unternehmen in dem in Nordkorea angesiedelten Industriepark verwehrt. Mit Rohstoffen beladene Lastwagen mussten an der Grenze zu Nordkorea umdrehen. Die Produktion in Kaesong ist nach Angaben südkoreanischer Manager akut bedroht, sollten Lieferungen und Arbeiter aus Südkorea weiter ausgesperrt bleiben.

Das südkoreanische Ministerium für Wiedervereinigung erwartete, dass am Samstag etwa hundert der nach wie vor in Kaesong ausharrenden Südkoreaner zurückkehren. Damit blieben noch etwa 500 südkoreanische Arbeiter in der Sonderwirtschaftszone. Nordkorea hatte zuletzt damit gedroht, die Zone komplett zu schließen.

Fidel Castro kritisiert Kim Jong Un

Die scharfen Töne aus Pjöngjang stoßen sogar bei den traditionellen Verbündeten Nordkoreas, Russland und China, auf Kritik. Auch ein enger Verbündeter aus der Sowjetzeit wandte sich an den jungen Kim Jong Un. Kubas früherer Staatschef Fidel Castro warnte Nordkorea vor einem Krieg. Dies würde beiden Völkern auf der koreanischen Halbinsel nur "furchtbare Opfer" abverlangen, schrieb der 86-jährige Revolutionsführer an die Adresse seines nordkoreanischen Staatschefs.

Dies sage er als Freund, schrieb Castro in einem Beitrag für die Parteizeitung Granma. Nordkorea habe seine Tapferkeit demonstriert. Jetzt sei es an der Zeit, sich an die Pflichten zu erinnern, die es anderen gegenüber habe. Die Gefahr einer atomaren Vernichtung sei so groß wie seit der Kubakrise nicht mehr.

© Süddeutsche.de/AFP/dpa/Reuters/jasch - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: