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Drohneneinsatz beim Castor-Transport:Kräftig geschwurbelt

So etwa in der Zentralen Polizeidirektion, wo man freundlich darauf hinweist, dass man in Hannover solche "Technik wie die Drohne" nur "vorhalte". Bei der Gewerkschaft der Polizei (GdP) spricht man ebenso vom Einsatz "der Drohne". Hier windet man sich weniger als bei den offiziösen Stellen. Die Leute vom GdP-Landesbezirk Niedersachsen haben von den Drohnen beim Atomtransport auch erst über die Medien erfahren.

Überwachungsdrohne beim Castor

Eine Überwachungsdrohne, die man - wenn es nach manchem niedersächsischen Staatsdiener geht, besser nicht "Drohne" nennen sollte. Im Hintergrund ist  Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) zu sehen.

(Foto: dpa)

Bei der Pressekonferenz habe Polizeipräsident Niehörster wirklich nichts von dem Einsatz gewusst, sagt GdP-Sprecher Reiner Fischer, der dabei gewesen ist. Niehörster sei Teil der Gesamteinsatzleitung gewesen und sei offenbar nicht informiert worden.

Unten musste Oben nicht fragen

Fischer vermutet, dass die Drohne wohl im Zuständigkeitsbereich der zentralen Polizeidirektion angesiedelt worden sei: "Da gab es wohl ein Kommunikationsproblem", sagt Fischer, "anders kann ich mir das nicht erklären." "Nein", stellt wiederum die freundliche Dame der Zentralen Polizeidirektion in Hannover klar: "Das fällt nicht in unseren Bereich."

Wie sie sich denn die Panne erklärt, will man noch wissen. "Die Erklärung muss die Polizeidirektion Lüneburg schon selbst finden", sagt sie. Aber die seien wohl noch "auf der Suche".

Noch ein Gespräch mit der Polizeidirektion Lüneburg. Nun könne man mehr sagen, sagt die Polizeisprecherin. Der Einsatz der Drohne sei vom "Einsatzabschnitt selbst und kurzfristig entschieden worden", das sei in Ordnung, denn von der Gesamteinsatzleitung habe es "keinen Vorbehalt" gegeben, sprich: Unten musste Oben nicht um Erlaubnis fragen. Was und wer gefilmt wurde und ob der Drohneneinsatz aus Sicht der Behörden zufriedenstellend verlaufen sei, kann sie nicht sagen.

Polizeichef Niehörster habe bei der Pressekonferenz nicht wissentlich den Drohneneinsatz verneint. "Er hat es wirklich nicht gewusst", beteuert die Sprecherin. Die Vermutung aus dem Innenministerium, Niehörster habe unter dem Begriff "Drohne" militärisches Fluggerät verstanden und deshalb verneint, widerspricht sie.

"Möglicherweise handelte es sich um einen Scherz des Kollegen?" Allerdings trage das Gerät die Bezeichnung "Drehflügler", die Polizei selbst meide den Ausdruck "Drohne". Zu diesem Zeitpunkt hatte die Polizeisprecherin allerdings selbst zweimal den Begriff "Drohne" verwendet.

Bleiben noch diese Fragen: Warum wusste die Einsatzleitung - namentlich der Polizeichef - nichts von der Drohne? Warum war Niehörster selbst nach Abschluss des Castor-Transports nicht informiert worden? "Das kann ich Ihnen leider nicht sagen," sagt die Polizeisprecherin dazu, dass ihr Chef "nackt" vor der Presse saß, schließlich fügt sie noch an: "Da hat wohl der Informationsfluss gehakt". Dass die Drohne so einen "Wind" verursachen würde, war der Polizei so nicht bewusst gewesen, sagt sie und verweist auf Hubschrauber: Die hätten ja schließlich auch Fotos gemacht.

© sueddeutsche.de/gba
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