LuftraumDrohnen über norwegischem Militärflugplatz gesichtet

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Ein Passagierflugzeug der norwegischen Fluggesellschaft Norwegian Air Shuttle startet am Berlin Brandenburg Airport Willy Brandt (BER).
Ein Passagierflugzeug der norwegischen Fluggesellschaft Norwegian Air Shuttle startet am Berlin Brandenburg Airport Willy Brandt (BER). Patrick Pleul/dpa

Nach den Drohnensichtungen in Dänemark mussten nun auch im Nachbarland Norwegen Flüge sicherheitshalber umgeleitet werden. In Dänemark gilt ein landesweites Drohnenflugverbot.

Von Alex Rühle

In Norwegen musste am späten Sonntagabend ein Passagierflugzeug umdrehen, weil nahe dem Zielflughafen Drohnen gesichtet worden waren. Die Norwegian-Maschine war auf dem Weg von Oslo nach Bardufoss. Bardufoss ist einer der größten Militärflugplätze im Norden des Landes und der Hauptstützpunkt der norwegischen Hubschrauberstaffeln. Er wird von der zivilen Luftfahrt mitgenutzt. Der Flughafen wurde vorübergehend geschlossen, konnte aber noch in der Nacht wieder öffnen. Einige Stunden später, am frühen Montagmorgen, wurden dann 500 Kilometer weiter südwestlich Sichtungen in der Sperrzone des Flughafens Brønnøysund gemeldet.

Der Vorfall reiht sich ein in die Drohnensichtungen in Norwegen und Dänemark in der vergangenen Woche. Nachdem am Freitag und Samstag erneut Drohnen an mehreren Standorten der dänischen Streitkräfte gesichtet worden waren, hat das dänische Verkehrsministerium ein generelles Drohnenflugverbot über ganz Dänemark ausgesprochen. „Wir können nicht akzeptieren, dass ausländische Drohnen Unsicherheit und Störungen in der Gesellschaft verursachen, wie wir es in letzter Zeit erlebt haben“, sagte Verkehrsminister Thomas Danielsen laut einer Pressemitteilung. „Auf diese Weise beseitigen wir das Risiko, dass feindliche Drohnen mit legalen Drohnen verwechselt werden und umgekehrt.“ Das Verbot gilt von Montag bis einschließlich Freitag. Dänemark ist in dieser Woche Gastgeber eines EU-Gipfels.

Die Vorfälle in Dänemark und Norwegen häufen sich

Am vergangenen Dienstag hatten Drohnen den Flughafen Kopenhagen, den größten Flughafen Skandinaviens, für vier Stunden lahmgelegt. Am Mittwoch flogen dann Drohnen über die Flughäfen von Aalborg, Esbjerg und Sønderborg sowie über den Militärflugplatz von Skrydstrup, auf dem die F-35-Kampfjets der dänischen Luftwaffe stationiert sind.

Der dänische Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen sagte, man wisse nicht, wer hinter all diesen Luftraumverletzungen stecke, es handle sich aber um „das Werk eines professionellen Akteurs“. Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen sprach am Donnerstag von „hybrider Kriegsführung“ und warnte, man werde weitere solche Vorfälle erleben.

Damit sollte sie recht behalten: Am Freitag wurden am Luftwaffenstützpunkt Karup zwei Drohnen gesichtet. Karup, der größte Militärflugplatz Nordeuropas, ist zuständig für die Luftraumüberwachung, hier sind alle Hubschrauber der dänischen Streitkräfte stationiert. Auch am Samstag gab es laut dänischem Verteidigungsministerium an mehreren Standorten der Streitkräfte Drohnensichtungen. Wo es konkret zu diesen Vorfällen kam und wie viele Drohnen involviert waren, wollte das Militär nicht bekannt geben.

Auch russische Düsenjäger haben den norwegischen Luftraum wiederholt verletzt

Am vergangenen Dienstag war gleichzeitig mit dem Flughafen Kopenhagen-Kastrup auch der Flughafen Oslo-Gardermoen für einige Stunden gesperrt worden, weil auch dort angeblich Drohnen gesichtet worden waren. Während die dänischen Sichtungen allerdings als gesichert gelten, sagte die norwegische Polizei zur Sperrung von Gardermoen, es sei „noch unklar, was dort beobachtet wurde“.

Am selben Dienstag gab die norwegische Regierung bekannt, dass der norwegische Luftraum dieses Jahr wiederholt von russischen Düsenjägern verletzt worden ist. Zweimal, im April und im August, flog ein Kampfjet jeweils für ein paar Minuten nordöstlich der Insel Vardøya über norwegisches Seegebiet, im Juli kam ein Flieger auf das Terrain der nordnorwegischen Provinz Finnmark, als er entlang der russisch-norwegischen Grenze unterwegs war. Der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Støre sagte bei der Bekanntgabe der Vorfälle, diese seien „sowohl räumlich als auch zeitlich weniger gravierend als die Verletzungen gegen Estland und Polen“. Dennoch nehme Norwegen die Vorfälle sehr ernst.

Am Freitag zuvor waren drei russische Kampfflugzeuge vom Typ MiG-31 etwa zwölf Minuten lang durch den estnischen Luftraum geflogen. Anfang September waren mindestens 19 russische Drohnen in den polnischen Luftraum eingedrungen.

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