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Drohnen im Krieg:Durchbruch nach dem 11. September

Möglich wurde der Durchbruch der Roboter beim Militär erst durch das exponentielle Wachstum der Leistung von Computerchips. Ein Smartphone erledigt heute ein Vielfaches der Rechenoperationen, die das Kontrollzentrum der US-Raumfahrtbehörde Nasa während der Apollo-Missionen zum Mond bewältigen konnte. Hinzu kommt, dass heute enorme Bandbreiten zur Datenübertragung auch über weite Strecken zur Verfügung stehen.

Den großen Schub aber bekamen die Entwicklung und der Einsatz von Drohnen erst nach den Anschlägen des 11. September 2001 und dem Einmarsch der USA in Afghanistan. Die Generäle hatten zuvor wenig gegeben auf die unter der Ägide der militärischen Forschungsagentur Defense Advanced Research Projects Agency seit Mitte der Achtzigerjahre entwickelten Flugzeuge, die von Motoren aus Schneemobilen angetrieben wurden.

Doch nun erkannten sie schnell, welche Vorteile die Predators boten: Stundenlang können sie über dem Einsatzgebiet kreisen, die Situation beobachten. Neben einem Radar und Kameras, die es erlauben, aus mehreren Kilometern Höhe ein Nummernschild zu entziffern, hatten die Maschinen damals schon Laser zur Zielmarkierung an Bord.

Drohnen sind ausdauernd und billig

Mehr als einmal tauchte Osama bin Laden auf den Bildschirmen der amerikanischen Drohnen-Piloten auf, wie Peter W. Singer vom US-Thinktank Brookings Institution in seinem Buch "Wired for War" berichtet. Doch waren die Reaktionszeiten zu lang. Bis Kampfflugzeuge im Zielgebiet ankamen, war der Terrorfürst wieder verschwunden. Die logische Konsequenz daraus war, die Drohnen selbst mit Waffen zu bestücken, etwa mit Hellfire-Raketen oder anderer Munition, die mit deutlich kleineren Sprengladungen das Risiko verringern sollen, unbeteiligte Zivilisten zu töten und unnötige Zerstörung anzurichten.

In den asymmetrischen Konflikten gegen Aufständische erwies sich die Kombination aus Aufklärungsplattform und Waffenträger aus Sicht des Militärs als äußerst effektiv. Der Robotik-Pionier Bart Everett vom Space and Naval Warfare Systems Center der US-Marine brachte es auf die Formulierung: "Für mich sind Roboter unsere Antwort auf den Selbstmordattentäter." Aus Sicht der Kommandeure verbinden sie drei wesentliche Vorteile: Die Soldaten, die sie fliegen, werden anders etwa als Jet- oder Hubschrauberpiloten nicht direktem Kontakt mit dem Feind ausgesetzt.

Zudem sind Drohnen nicht nur ausdauernd, sie können außerdem die gesammelten Informationen mit Truppen am Boden und Auswertern in den USA fast in Echtzeit teilen und ohne große Zeitverzögerung Waffen zum Einsatz bringen. Nicht zuletzt sind sie billig: Eine Predator kostet an die fünf Millionen Dollar, ein Kampfflugzeug vom Typ F-35 Lightning schlägt mit deutlich mehr als 100 Millionen Dollar zu Buche.

Gezielte Tötungen auch ohne Drohnen

Die Zahlen sprechen für sich: Verfügte das US-Militär 2001 über zehn Predators, sind es heute etwa 300. Und 2003 marschierte die amerikanische Streitmacht im Irak ein ohne einen einzigen landgestützten Roboter. Im Jahr 2008 waren dort dann geschätzt mehr als 12.000 davon im Einsatz.

Indes: Keine der Missionen, die heute unbemannte Systeme erfüllen, waren zuvor unmöglich. U-2-Spionageflugzeuge schossen schon in den Sechzigern hochauflösende Fotos über feindlichem Gebiet, Soldaten räumten Sprengfallen und Minen von Hand, Kampfjets und Hubschrauber bombten Truppen aus brenzligen Situationen heraus - der fatale Bombenangriff von Kundus mit Dutzenden Toten wäre vielleicht sogar zu vermeiden gewesen, wären Drohnen in dem Gebiet gekreist.

Die umstrittenen gezielten Tötungen gab es ebenfalls schon vor dem Drohnen-Zeitalter. So liquidierte Israel im Jahr 2004 in Gaza Scheich Jassin, Spiritus rector der Hamas, mit drei Raketen, abgefeuert von einem Kampfhubschrauber. Selbst die Distanz zwischen Ziel und Schütze hat sich mit Raketen und Marschflugkörpern lange vor den Drohnen immer weiter vergrößert.

Und wie bei einem Panzer, einem Kampfjet, einem Fußsoldaten, am Ende drückt auch bei den Robotern noch immer ein Mensch auf den Abzug oder den roten Knopf, um eine Waffe abzufeuern. Den modernen Krieg aber, soviel ist klar, haben sie dennoch grundlegend verändert.

© SZ vom 09.02.2013/kjan
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